Battelle-Institut untersuchte mit Computern, wie die Autowracks zu beseitigen sind

Von Kai Krüger

Eine Million alter Autos, so lesen die Statistiker den Zulassungszahlen ab, werden in diesem Jahr zu verschrotten sein. Auf diese Zahl können sie sich ziemlich genau verlassen. Es ist die Zahl der vor neun Jahren in der Bundesrepublik neu zugelassenen Autos, gekürzt um den zu erwartenden Gebrauchtwagen-Export, der für 1971 auf 130 000 Autos beziffert wird.

Eine Million Autowracks, gleichmäßig auf die deutschen Lande verteilt, auf vorstädtischen Gerümpelplätzen oder von Kühen befreiten Weideplätzen gestapelt, ohne Nummernschild am Rinnstein stehengelassen oder Kindergärten gegen Spendenbescheinigung als Spielzeug angeboten – der Bodensatz des Fortschritts.

Neun Jahre beträgt das durchschnittliche Lebensalter des deutschen Wohlstandslieblings. Jeden Sonnabend gebadet, ängstlich gegen Beulen und Kratzer beschützt, fällt er eines Tages durch den TÜV. Sind die Kosten seiner Rückführung in einen verkehrssicheren Zustand höher als das, was Autobörsianer Schwache in seinen Listen ihm als Kurswert zugesteht, ist der Abschied angeraten. Die Limousine gibt ihrem Eigner die letzte Nuß zu knacken: wohin mit ihr?

Wer Glück hat, findet einen Schrotthändler, einen von den kleinen am Rande der Stadt, der die Beteuerung: "Aber er läuft noch so prima" mit einem Zwanzigmarkschein honoriert. Hat er Leute, die den Motor, die Achsen und andere womöglich noch wiederverkäufliche Innereien ausbauen, kann er sich das leisten. Doch diese Sorte Schrotthändler stirbt aus.

Manchmal helfen bei diesem Sterben die Schrottgiganten, die Großen der Branche, von denen die meisten zu einem Stahlkonzern gehören und die den Schrottmarkt fest im Griff haben. Untereinander verstehen sie sich prächtig oder jedenfalls gut genug, sich den Markt nicht gegenseitig zu verderben. Das Frankfurter Battelle-Institut, das im Auftrage des Gesundheitsministeriums eine Studie über die Altautoverwertung durchführte, stellte nüchtern fest: "Durch Konzernverflechtung der größten Schrotthandelsfirmen mit Stahlerzeugern ist die Schrottqualität nicht allein ausschlaggebend für den Absatz."