Von Horst Bieber

Der Interessenverband der Berufspiloten, Cockpit e.V., hat in dem Konflikt zwischen dem Verband Deutscher Flugleiter (VDF) und dem Bundesverkehrsministerium bisher eine vermittelnde Position eingenommen. Allmählich jedoch werden die Nerven der Piloten dünner. Anfang dieser Woche unterbreitete Cockpit neue Vorschläge zur Beilegung des Streites. Dem VDF empfahl er, wieder normal zu arbeiten; das Bundesverkehrsministerium forderte er auf, umgehend eine neutrale Experten-Kommission einzusetzen, die alle Forderungen der Fluglotsen abwägen, ein Programm aufstellen und durch einen Haushalts-Experten die nötigen Mittel berechnen soll.

Die sachlichen Forderungen der Flugleiter haben die Piloten schon im eigenen Interesse unterstützt. Dagegen lehnen sie die übersteigerten Wünsche ("Pensionsalter 50") und vor allem die Kampfmethoden des Lotsenverbandes ab; der VDF mache sich die Vorteile des Beamtenrechtes zunutze, ohne den daraus erwachsenden Pflichten nachzukommen. Im einzelnen verargen die Piloten den Flugleitern:

  • Der VDF habe sachlich begründete Forderungen und überzogene persönliche Wünsche zum Nachteil der Allgemeinheit verquickt;
  • die Berufspiloten wären nicht informiert, sondern überrumpelt worden, obwohl in manchen Punkten Interessengleichheit bestehe;
  • statt zur Durchsetzung ihrer berechtigten Forderungen einen befristeten Bummelstreik anzukündigen und durchzuführen, hätten die Controller wider alle Vernunft auf einen Hau-ruck-Erfolg gesetzt und nach ihrem Mißerfolg wiederum entgegen allen vernünftigen Überlegungen nicht eingelenkt;
  • der Streit werde auf dem Rücken des Publikums und der Piloten ausgetragen.

Gerade der letzte Punkt verärgert immer mehr Piloten. Sie zitieren Beispiele für schikanöses Verhalten der Fluglotsen.

Beispiel Nr. 1: Zwei Maschinen mit unterschiedlicher Anfluggeschwindigkeit nähern sich hintereinander dem Landehafen. Das langsamere Flugzeug fliegt vorn. Der Controller sieht, daß unmittelbar vor dem Aufsetzen der ersten Maschine der vorgeschriebene Minimalabstand zwischen den beiden Flugzeugen unterschritten wird. Streng nach Vorschrift läßt er jetzt die zweite Maschine eine Warteschleife fliegen. Die Folge: ein Zeitverlust von ungefähr zehn Minuten. Bei gutem Willen hätte er die erste Maschine auffordern können, etwa 20 Knoten zuzulegen, hätte die zweite etwas seitlicher gestaffelt herangeführt und mit beiden Maßnahmen den nötigen Abstand gewonnen. Allerdings – die Vorschriften decken die Entscheidung der Fluglotsen.

Beispiel Nr. 2: Als ausgesprochen "nickelig" empfinden die Piloten die Praxis der Flugleiter, Maschinen mit laufenden Turbinen auf die Rollbahn zu schicken und sie dort warten zu lassen, bis die – streng nach Vorschrift eingeholte – Freigabe des nächsten anzufliegenden Luftraumes vorliegt. Auch gegen diese Maßnahmen ist formal nichts einzuwenden; solche Wartezeiten kommen selbst bei normalem Betrieb vor. Die Schikane liegt darin, daß man dies zur Norm macht und die Flugzeuge nicht wie sonst auf dem Vorfeld warten läßt und die Piloten nicht gleichzeitig mit der Erlaubnis zum Anlassen der Turbinen auch die Starterlaubnis erhalten. Die Folge: In der Kabine steigen die Temperaturen aufs Unerträgliche; die Klimaanlage bläst den Gestank des verbrannten Treibstoffes der anderen Maschinen in alle Ecken des Flugzeugs. Das "Verständnis" der Piloten hat ein Ende, wenn dann auch noch auf die Frage an den Tower "Wann geht’s denn endlich los?" ein arrogantes "Abwarten!" kommt.