Zum Ruhme Frankreichs eröffnete Staatspräsident Pompidou in der vergangenen Woche den 29. Internationalen Luftfahrtsalon in Paris. Mit der diesjährigen Schau haben sich die Franzosen das Lob gesichert, die wichtigste Flugzeug-Messe der Welt zu veranstalten: Knapp 180 Flugzeuge und Hubschrauber aus 16 Ländern sind eine bisher einzigartige Messebilanz.

Die Messe aber brachte mehr als Masse: Die Sowjetunion überraschte mit einem umfangreichen Angebot an Zivilflugzeugen, ein internationaler Trend zu kurz- und senkrechtstartenden Flugzeugen wurde deutlich. Und zum erstenmal begegneten sich die beiden Überschallriesen Concorde und TU-144.

Hinter der russischen Luftinvasion steht die Absicht, mit dem Westen ins Geschäft zu kommen. Die Sowjetunion hatte sich bisher nie sonderlich darum bemüht, ihre Flugzeuge an westliche Fluggesellschaften zu verkaufen. Jetzt testen die roten Flugzeugbauer erst einmal, ob im Westen überhaupt Interesse an. ihren Produkten besteht.

Neben den bereits bekannten Typen TU-154 und TU-134 (Düsentransporter), Ilyushin IL-62 (vier Düsen, Passagiermaschine) und Yak-40 (27 Passagiere, Kurzstreckenjet) wurden auch Neuheiten gezeigt: Antonov AN-26 (Turboprop-Frachtmaschine), MIL MI-12, der größte Hubschrauber der Welt und Ilyushin IL-76, eine kurzstartende Düsenverkehrsmaschine.

Obwohl die russische Flugzeugindustrie in Leistungsfähigkeit und Umsatz mit der amerikanischen durchaus vergleichbar ist, sind die Chancen für das Westgeschäft nicht günstig. Es gibt im Westen schon heute ein zu großes Angebot von zu vielen nationalen Firmen; und die Fluggesellschaften wollen aus wirtschaftlichen Gründen jeweils nur Flugzeuge eines Herstellers fliegen – so hat sich etwa die Lufthansa auf die amerikanischen Boeings spezialisiert.

Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Zulassung: Die russischen Flugzeuge entsprechen meist nicht den Vorschriften im Westen. Einen Trumpf aber werden die russischen Verkäufer sicher ausspielen – niedrige Preise.

Während für die Russen die Aussichten noch sehr ungewiß sind, gelten die zukünftigen Chancen für Kurz- und Senkrechtstarter heute als unstreitig.. Insbesondere die englischen Experten sind davon überzeugt, daß im Flugzeugbau die nächste Dekade im Zeichen der "Kurzstarter" stehen wird.