Von Herbert Bertsch, Ostberlin

Die Erkenntnis von der "Abgrenzung" setzt sich als zunehmend selbstverständlich durch. Auch in der Bundesrepublik gibt es Prozesse der Abgrenzung. Vor allem aber vollziehen sich solche Prozesse der klaren Abgrenzung zwischen sozialistischen und kapitalistischen Staaten, zwischen den Blöcken und so weiter. Ich halte diese Prozesse, die sich objektiv vollziehen, nicht für störend, sondern für nützlich: Sie verhindern Illusionen auf dieser oder auf jener Seite.

Ich werte jetzt überhaupt nicht: Die Tatsache, daß im Jahre 1949 zwei deutsche Staaten entstanden sind, war ein Ausdruck der Abgrenzung in bezug auf den bis dahin bestehenden Zustand. Darüber gibt es bei Anhängern und Gegnern der Dialektik keinen Meinungsunterschied. Das ist eine sachliche Feststellung, ein historisches Faktum. Die Tatsache, daß dem eine einseitige Währungsreform vorausging, die auf der anderen Seite aus verständlichen Gründen eine andere Währung in Betrieb setzte, wir ebenfalls ein Ausdruck der Abgrenzung. Das gleiche gilt für den Eintritt der Bundesrepublik in die Nato, die Begründung des Warschauer Vertragssystems und den Eintritt der DDR in dieses System. Das alles sind doch Ergebnisse von Prozessen, die man nicht anders als mit dem Begriff Abgrenzung bezeichnen kann; es ist ein Vorgang, der auf ein weiteres Auseinander hinausläuft.