Die Amerikaner halten sich am Matterhorn fest, die Japaner dagegen sind von der Jungfrau nicht abzubringen", resümierte ein Schweizer Experte für Fremdenverkehr und fügte lakonisch hinzu: "Den geringsten Zuspruch findet der Schweizer Jura. Das ist ein sanft geschwungenes Mittelgebirge und ‚det ham wa selba‘, wie Berliner Urlauber zu sagen pflegen. Die Leute wollen Zacken und Zinnen sehen ..."

Nicht alle wissen so genau, was sie wollen. Es gibt auch Leute, die genau wissen, was sie nicht wollen. Zum Beispiel: touristischen Eintopf zu Fixpreisen, Urlaubsmenüs zwischen festliegenden Daten. Für sie hat Hapag-Lloyd "Ferien à la carte" erfunden. Das bedeutet: in ein entsprechendes Reisebüro gehen, "ich möchte gern..." sagen, die gewünschten Reisedaten nennen, unter 400 regelmäßig überprüften Hotels Mitteleuropas das aussuchen, was dem eigenen Geschmack entspricht und die übrige Arbeit dem Reisebüro überlassen.

Das ist nicht billig, aber wer Gruppentransporte nicht mag, wer sich den Anblick von Kofferbergen in überfüllten Hotelhallen, wer sich das Warten auf Zimmerzuteilung ersparen und – unabhängig und doch behütet – als Individualist in Hotels wohnen möchte, die in puncto Niveau "im oberen Drittel" zu suchen sind, der wird nicht unbedingt Geld sparen wollen. Es sei denn, er kennt die Zauberformel RIT = Rail Inclusive Tours und fährt mit der Bahn, die für Ferien-à-la-carte-Reisende beachtliche Preisnachlässe gewährt, wobei der Schlafwagen eine wahrhaft ferienfreundliche, weil ferienverlängernde Rolle spielt. RIT schließen Fahrtunterbrechungen – beliebig oft und beliebig lange – nicht aus, erlauben dem von seinem Auto absolut Unzertrennlichen die Kombination mit dem Auto-Reisezug, und wer sich für Ferien in der Schweiz entschieden hat, zieht zusätzlichen Gewinn aus den wundertütenähnlichen Schweizer Ferienbilletts. Deren Vorzüge gipfeln in der Chance, vom Ferienort aus Ausflüge zum halben Preis zu machen, und da nicht nur Japaner ihr Herz an die Jungfrau verloren haben, ist es auch für den deutschen Nachbarn recht interesseant, beispielsweise für eine Fahrt mit der Jungfraubahn von Interlaken, dem "zentralsten" aller Schweizer Urlaubsorte, zum Jungfraujoch und zurück statt 70,20 sfr in der zweiten und 80,20 sfr in der ersten Klasse jeweils nur die Hälfte zu bezahlen.

Es ist sicher kein Zufall, daß die Schweiz als klassisches Ferienziel im Programm eines unserer ältesten Reisebüros beachtlichen Raum einnimmt. Beide schwören, unermüdlich um Verjüngung bemüht, auf das Prinzip der Verläßlichkeit. Wozu, ins Positive verkehrt, auch die Preisgabe von Mängeln gehört. Welcher Verkehrsverein, welche Kurdirektion ist schon so mutig einzugestehen, daß ein in ihrem Bereich liegender See so verschmutzt ist, daß das Baden zumindest "an gewissen Stellen" nicht mehr verantwortet werden kann? In Lugano, der 22 000-Einwohner-Stadt, in der 32 Banken mit 4000 Angestellten die hier besonders auffällige Hingabe an den Rausch des Eigentumswohnungsbaus erleichtern helfen, entschloß man sich zum Badeverbot. Und wenn ein Sprecher des "Grand Hotel Kurhaus" in St. Moritz die Bemühungen erläutert, im Zuge gründlicher Renovierungen der alten Schale einen neuen Kern zu geben, und dabei die Reihenfolge der einzelnen Arbeiten bekanntgibt, ist auch hier der couragierte Blick für die Realitäten der Gegenwart zu bewundern. An erster Stelle standen die Wohnräume des Personals, an zweiter Stelle alle die Einrichtungen, die dem Personal Erleichterung bieten, nämlich Modernisierung der Küche, der Wege zwischen Küche und Gast und der Anlagen für die Hotelwäschereinigung. Erst an dritter Stelle: die Gästezimmer. So klar wie der Himmel über dem Engadin ist, daß die Letzten hier in Wirklichkeit die Ersten sind, denn in Häusern des "oberen Drittels" wird Dienst am Gast immer noch groß geschrieben, und wo bliebe der Service ohne zufriedene Servanten? U. S.