Lange Zeit wollten sie es nicht, nun taten sie es doch: Die Sachverständigen zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung haben ein Sondergutachten erstellt. Überraschungen bietet es nicht, vielmehr die gleichen Fronten und die gleichen Grundüberlegungen wie auch die vergangenen Gutachten.

Die Mehrheit der "Fünf Weisen", die schon immer für freie Wechselkurse war, begrüßt auch diesmal das "Floating" der Wechselkurse. Mehr noch: Nach ihrer Meinung sollte am Ende der Zeit flexibler Wechselkurse eine Aufwertung stehen. Bei einer Rückkehr zur alten Dollarparität von 3,66 Mark blieben alle Stabilitätsbemühungen von Bundesregierung und Bundesbank fruchtlos. Eine Aufwertung verspreche demgegenüber präventive Wirkung.

Die Minderheit – auch diesmal wieder Professor Claus Köhler – hält demgegenüber weder etwas vom Floating noch von einer Aufwertung. Die Preissteigerungen sieht Köhler nicht international, sondern binnenwirtschaftlich begründet. Also solle man, so Köhler, entsprechende Instrumente einsetzen: In stärkerem Maße den dirigistischen Paragraphen 23 des Außenwirtschaftsgesetzes und eine Offen-Marktpolitik der Bundesbank auch mit Nichtbanken – wozu sich die Bundesbank freilich kaum in der Lage sieht.

Bundeswirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller findet im Mehrheitsgutachten Unterstützung für seine Politik. Dennoch kommt ihm die Aufwertungsempfehlung nicht sehr gelegen. Wie schon das Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute "Politik gemacht" hat, indem es sich für das "Floating" ausgesprochen hat. wird auch dieses Sondergutachten der Devisenkalkulation Orientierungshilfe leisten. Sie setzt, nicht mehr auf die alte Parität, sondern auf eine neue um etwa 3.50 Mark. pl