Von Horst-Wolfgang Bremke

The Germans are Coming – die Deutschen kommen, überschrieb Amerikas Nachrichtenmagazin Time einen Artikel über Investitionen deutscher Firmen in US-Staaten. Sie kamen freilich nicht mit fliegenden Fahnen. Investitionsanreize deutscher und amerikanischer Stellen und heißes Werben vorwiegend der Neuenglandstaaten mußten sie erst ermutigen. Und ehe sie recht da waren, blies bereits einer von ihnen, die Ludwigshafener Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF), zum Rückzug.

Bevor die Hiobsbotschaft in Europa allzuviel Schaden anrichten konnte, suchten die Amerikaner vorzubeugen. Die von den ostamerikanischen Staaten gegründete Interessengemeinschaft für Industrieansiedlung "New England Regional Commission" schickte ihren Chef ehester Wiggins sowie Bankiers und Industrielle zu einem von zwanzig Werbefeldzügen in die "alte Welt".

Die "Missionare" hatten aus dem BASF-Desaster gelernt. Nicht Großkonzerne, so ließen sie bei ihrem Eintreffen in Deutschland wissen, sollten sich angesprochen fühlen. Adressaten seien vielmehr kleinere und mittlere Betriebe. Sie würden keine Schwierigkeiten haben mit den Klippen, an denen die BASF-Pläne scheiterten.

Grund zur BASF-Umkehr waren nicht mangelnde Gewinnaussichten. Der Ludwigshafener Chemie-Riese scheiterte an dem Widerspruch reicher Pensionäre, die um ihre Ferien- und Alterssitze bangten. Port Victoria in Südkarolina, wo die BASF 240 Hektar Gelände erworben hatte, ist landschaftlich schön gelegen. Die Rentiers fürchteten, daß mit den 1000 Arbeitern, die für das 200-Millionen-Dollar-Werk zur Produktion von Farben, Kunststoffen und petrodiemischen Erzeugnissen ab 1975 nötig gewesen wären, der Hauch von Exklusivität aus ihrem Paradies verschwunden wäre.

Auf der Welle der Umweltschutz-Diskussion, die schon manchen Investor zum Beidrehen zwang, bewegten die Rentiers US-Innenminister Rogers C. B. Morton zum Einspruch. Die Deutschen gaben das Gelände an den US-Bundesstaat zurück. Dafür wollen sie ein kleineres Werk auf dem Gelände der amerikanischen Chemiegesellschaft Wyandotte Chemical Co. bauen, die sie 1968 für 95 Millionen Dollar aufgekauft hatten.

Eine weitere Hürde erschwert europäischen Großfirmen den Zugang nach Amerika. Mit Argusaugen sorgt der für Kartellfragen zuständige stellvertretende US-Justizminister Richard McLaren für die Einhaltung der Anti-Trust-Bestimmungen.