DIE ZEIT

Mit langen Zähnen

Schlimmes ist geschehen. Da hat der Nato-Rat vor drei Jahren, bei seiner Frühjahrstagung in Reykjavik, dem Ostblock vorgeschlagen, über einen beidenseitigen Truppenabbau in Europa zu verhandeln – ein Vorschlag, der seitdem Jahr um Jahr mit Nachdruck bekräftigt worden ist.

Prager Zensur

Wäre es auf dem Prager Parteikongreß der „Normalisierung“ so normal zugegangen, wie Gustav Husák es der Welt einredete, so hätte er gewiß den Beifall der größten kommunistischen Partei des Westens, der italienischen, gefunden.

Wer hat schuld?

Menschliches Versagen hat in der vorigen Woche das schwerste Bundesbahn-Unglück der Nachkriegszeit verursacht. Einundvierzig Schulkinder und fünf Erwachsene starben nach einem Zusammenstoß auf der eingleisigen Nebenstrecke bei Dahlerau im Bergischen Land.

Abwarten

Dies war Wasser auf die Mühlen der China-Lobby in Bonn: Österreich hat als 54. Staat die Volksrepublik China anerkannt. Wieder einmal heißt die Frage: Und was tut die Bundesrepublik? Alle größeren westeuropäischen Länder haben inzwischen offizielle Beziehungen zu Peking.

Wahltag, Zahltag

Von sozialdemokratischer Seite ist vorgeschlagen worden, die Bundes- und Landstagswahlen vom Sonntag auf Werktage zu verlegen.

Ein Preuße in der Hansestadt

Der hanseatische Stadtstaat, an jenem großen Strom gelegen, der stets eine Scheidelinie zwischen den Westdeutschen und den Ostdeutschen – den "Ostelbiern" – bildete und der doch zugleich bis weit hinein nach Böhmen und Mähren dem Osten als Handelsstraße diente und mithin nicht nur trennt, sondern auch verbindet, dieser hanseatische Stadtstaat ist manchem Preußen zur zweiten Heimat geworden.

ZEITSPIEGEL

„Die Forderungen der städtischen Müllarbeiter nach einer Lohnerhöhung sind als Versuch bezeichnet worden, die Nation gegen Lösegeld gefangenzuhalten, während die Lohnforderungen der Königin ‚Ihrer Majestät höchst wohlwollende Botschaft‘ genannt werden.

Die Piloten werden langsam zornig

Der Interessenverband der Berufspiloten, Cockpit e.V., hat in dem Konflikt zwischen dem Verband Deutscher Flugleiter (VDF) und dem Bundesverkehrsministerium bisher eine vermittelnde Position eingenommen.

Die Lotsen werden langsam kleinlaut

Ich schätze Herrn Leber ans der Vergangenheit sehr." Das Eingeständnis geht Wolfgang Kassebohm, dem Widersacher des Bundesverkehrsministers, nebst anderen Artigkeiten über den "geraden und direkten Menschen" Leber ohne Zögern von den Lippen.

„Die Nato wird noch lange stehen“

Vor kurzem noch hieß es, der amerikanische Außenminister William Pierce Rogers beabsichtige, nach Ablauf der ersten Amtszeit Präsident Nixons aus dem Amt zu scheiden und die Leitung des State Department in andere Hände übergehen zu lassen.

Schwarz auf weiß

So "inoffiziell", wie es offiziell in Kairo hieß, war der Besuch des sowjetischen Staatsoberhauptes Podgorny bei seinem ägyptischen Amtskollegen Sadat denn doch nicht.

„Ein nützlicher Prozeß“

Die Erkenntnis von der „Abgrenzung“ setzt sich als zunehmend selbstverständlich durch. Auch in der Bundesrepublik gibt es Prozesse der Abgrenzung.

Kontakte riskieren

Herr Bertsch hat das Problem der ideologischen Abgrenzung angesprochen, und er weiß sehr genau, daß ich vom entgegengesetzten Standpunkt her mit ihm übereinstimme.

Frieden-nicht wie zwischen Katz und Maus

Entspannung und Abschreckung – einerseits das Bemühen um einen politischen Modus vivendi mit dem Osten und andererseits die Aufrechterhaltung eines militärischen Schutzes für den Westen, sollen der doppelte Zweck der westlichen Allianz bleiben.

Wolf gang Ebert:: Kleine Minderheit

Wenn ich mitansehen muß, wie Schiller alle Hände voll damit zutun hat, die Sorgen unserer Unternehmer zu zerstreuen, bin ich drauf und dran, meine eigenen Sorgen zu vergessen, um mich ganz auf die Sorgen der Unternehmer zu konzentrieren.

Kostspielig

In Frankfurt am Main und Offenbach verlangen die Personalräte der Stadtverwaltung und die Gewerkschaft ÖTV vom Magistrat, daß die gleichen Vergünstigungen, wie sie die Angestellten und Arbeiter der städtischen Werke beim Bezug von Strom und bei Benutzung der städtischen Verkehrsmittel erhalten, allen städtischen Bediensteten eingeräumt werden.

Lehrer an die Leine

Das Kultusministerium fördert fortschrittliche Pädagogen und Lehrmethoden und ist für Experimente aufgeschlossen, wenn der Unterrichtserfolg im Interesse der Schüler gesichert und die verfassungsmäßige Aufgabe der Schule berücksichtigt wird.

Recht in unserer Zeit: Nacht zu Haus

Die Klägerin ist Unternehmerin, zu Düsseldorfs Flair trägt sie durch Nachtlokale für gehobene Schichten bei. Fähigen Bardamen zahlt sie ein Fixum von 1000 Mark.

Grabgesang in Garching

Es war einmal eine Gruppe von Wissenschaftlern, die lebte mit ihren Familien in einem 8000-Seelen-Dorf vor den Toren Münchens, in dem weder Einkaufszentrum noch Gymnasium, weder Kino noch irgend sonst, etwas Besonderes zu finden war.

Tränen und Trauer

Die Glocken der kleinen weißen Kirche läuten zum Pfingstgottesdienst, und die, die kommen, tragen Schwarz. Die Überlebenden trauern um die Toten des Zugunglücks von Radevormwald: 40 Kinder und fünf Erwachsene.

Mahnung in den Wind?

Knapp sechs Monate sind gerade vergangen, seit die I. Große Strafkammer des Landgerichts Aachen den längsten Prozeß der deutschen Rechtsgeschichte, das Contergan-Verfahren, einstellte, und schon beginnt Gras über jene Affäre zu wachsen, die doch Anlaß zu mancherlei einschneidenden Konsequenzen hätte geben sollen.

„Ein deutliches Signal“

Dies ist ein großes, aber auch leidvolles Reformwerk“, meinte Bayerns Ministerpräsident Goppel, als er vor zwei Wochen die endgültigen Pläne der CSU-Staatsregierung zur Gebietsreform vorlegte.

„Begrabt den Haß“

Das vietnamesische Volk hängt seit eh und je sehr an der Lyrik. Vielleicht darum liebt es den jungen Dichter To Huu mehr als alle Prosaschriftsteller.

Der Erbe des Wilhelminismus

Wenn sich die Männer der deutschen Widerstandsbewegung wieder einmal über die Tiraden und Eskapaden des Diktators entsetzten und zugleich den Mangel an Zivilcourage in der Ministerialbürokratie und der Generalität beklagten, entfuhr dem alerten Verwaltungsbeamten Gisevius ein vorlautes „Wie gehabt!“ Offiziere und Beamte, die sich auch in den dreißiger und vierziger Jahren noch der preußischen Monarchie verpflichtet fühlten, runzelten unwillig die Stirn: Wie konnte sich dieser junge Mann unterstehen, den Exilkaiser in Doorn und den Gefreiten aus Braunau miteinander zu vergleichen? Derlei „Übertreibungen“ überließen sie doch lieber, den extremen Linken, die ja schon vor 1933 Hitler als Adolf den Ersten oder Wilhelm den Dritten karikiert hatten.

Einübung in Demokratie

Wozu soll politische Bildung dienen? Wohin soll sie führen? Einen consensus omnium gibt es nicht. Daran krankt alle politische Unterweisung an unseren Schulen.

Zweierlei China-Maß

Die meisten deutschen Politologen meinen, wenn sie von politischer Theorie, Ideengeschichte, Institutionenlehre sprechen, wie selbstverständlich nur deutsche oder westliche Gelehrsamkeit, ja, sie gehen so weit, daß sie politikwissenschaftliche Studien über nichtwestliche Länder als „landeskundliche“ Arbeiten bezeichnen.

Chance für eine Truppenreduzierung?

Fragen der Abrüstung und Truppenreduzierung waren in der vergangenen Woche das beherrschende Thema bei der Ministertagung der nuklearen Planungsgruppe der Nato in Mittenwald und der Konferenz des Planungsausschusses für die Verteidigung in Brüssel.

Bestätigung für Husaks Kurs

„Völlige Übereinstimmung“ demonstrierten zum Abschluß des 14. Parteitags der tschechoslowakischen KP (von links) Gustav Husák, der nach seiner einstimmigen Wiederwahl nun den Titel „Generalsekretär der Partei“ trägt, der sowjetische Parteichef Leonid Breschnjew und Präsident Ludvik Svoboda.

Österreich: Draht nach Peking

Österreich hat die Volksrepublik China anerkannt. Beide Länder beschlossen, innerhalb eines halben Jahres Botschafter auszutauschen.

46 Tote bei Zugunglück

Das schwerste Eisenbahnunglück der Nachkriegszeit hat inzwischen 46 Menschenleben gefordert. Donnerstag vergangener Woche stießen gegen 21.

Dokumente der ZEIT

„Ich glaube, wir müssen noch etwas tiefer schürfen und fragen, ob einige der von mir beschriebenen Mängel und Gefahren innerhalb des bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystems überhaupt behoben werden, das heißt, ob die Städte unter den Bedingungen der heutigen Industriegesellschaft überhaupt gesunden können.

Türkei: Geisel befreit

In der Türkei haben Polizei und Militär ihre Aktionen gegen Terroristen und Untergrundkämpfer verstärkt. Die Überwachung der syrischen Grenze wurde verschärft; das ganze Land durchzieht eine Verhaftungswelle, die den republikanischen Parteichef Inönü veranlaßte, die Sicherheitsbehörden zur Zurückhaltung zu mahnen.

Opposition gegen Beitritt

Nach dem „Durchbruch“, der bei den Gesprächen zwischen Staatspräsident Pompidou und Premierminister Heath in der Frage des englischen EWG-Beitritts erzielt wurde, ist in England erneut eine lebhafte Debatte aufgebrochen.

Ägypten: Pakt mit Moskau

Ägypten und die Sowjetunion haben einen „Pakt der Freundschaft und Zusammenarbeit“ auf zunächst 15 Jahre geschlossen. Dies wurde zum Abschluß der dreitägigen Gespräche des sowjetischen Präsidenten Podgorny mit Staatschef Sadat in Kairo bekanntgegeben.

Bonn: Vorrang für Berlin

Den „politischen und sachlichen“ Zusammenhang zwischen einer Berlin-Regelung und der Ratifizierung der Verträge mit Moskau und Warschau hat die Bundesregierung in der vergangenen Woche noch einmal betont.

Der herrschende Städtebau

Man braucht nur ein paar dieser täglichen Katastrophenmeldungen zu erwähnen, um die Misere vor Augen zu haben. Beliebte Hotels, Cafés, Biergärten verschwinden.

Hübner und der Bremer Stil

Der Zufall will es, daß die Stadt Bremen gerade mit einer Anzeige für sich Reklame macht, die unter der Überschrift „Bremer Stil“ Kurt Hübners Theater für die Public Relations der Stadt in Anspruch nimmt.

Überlebensgroß Herr Grass

Wir haben ihn aufsteigen und groß werden sehen, wie er international glänzte und entschlossen sprach, was uns gut tat nach so viel Bescheidenheit und Niederlagen.

Kunstkalender

Ein schwieriges Werk, ein schwieriger Fall: Mark Rothko, der für den Beginn einer originären amerikanischen Malerei wichtig war, der vor einem Jahr tot in seinem New Yorker Atelier gefunden wurde.

St. Pauli soll nicht veröden

Es geschieht nicht oft, daß am Ende eines Architektur- oder Städtebauwettbewerbes eine Nebensache als Ergebnis so wichtig ist wie die Hauptsache, also die Leistung, die beurteilt und mit Preisen belohnt wird.

Klangblöcke mit sakralem Environment

Im Dom zu Münster großer Einzug des Bischofs mit Vortragekreuz und brennenden Kerzen, mit fünfundvierzig Seminaristen, mit Klerikern in Schwarz und Domherren in Violett.

Die Chance gehabt und verspielt

Neue Krise an der FU“, „Professoren werfen das Handtuch“, „Parteien blicken mit Sorge auf die Universität“ – so und ähnlich hat die Freie Universität Berlin während der letzten Woche in der Tagespresse unversehens wieder Schlagzeilen gemacht.

ZEITMOSAIK

Alle charakteristischen Städte wirken viel anheimelnder, als die architektonisch-korrekten; ja die malerische Schönheit ist so entschieden siegreich über die bauliche, daß wir zuletzt jede Stadt schön nennen, die uns wie ein reizendes Bild berührt.

Viele Könner verderben den Brei

Eröffnet wurde das Berliner Theatertreffen mit einer kurzen und witzigen Ansprache des Jurymitglieds Rolf Michaelis, der man entnehmen konnte, daß die Sitzungen der zehnköpfigen Jury höchst dramatisch waren und daß die Juroren die meisten Vorschläge ihrer Kollegen für Symptome totaler geistiger Umnachtung hielten.

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