Richard Crossman, Sozialminister Ihrer Majestät im ehemaligen Labour-Kabinett Harold Wilsons, zeigte wenig Loyalität gegenüber seiner früheren Brotherrin. "Die königlichen Steuerhinterzieher" betitelt er seinen Leitartikel im jüngsten New Stateman, der von ihm herausgegebenen einflußreichen Wochenzeitung für britische Linksintellektuelle. Und als einziger Journalist. – und zugleich Parlamentarier und privycounseler der Queen – ritt er darin eine scharfe Attacke gegen die Gehaltswünsche Ihrer Majestät.

Das übrige offizielle Großbritannien aber ist sich einig, daß auch Ihre Hoheit von der Inflation nicht verschont blieb. Ein Unterhauskomitee wurde eingesetzt, die Finanzlage des königlichen Haushalts zu überprüfen. Alle Parteien bestimmten ihre Vertreter, und im majestätsgesinnten Britannien konnten es sich die Sozialisten gar erlauben, einen bekannten Republikaner, den Schotten William Hamilton, in den Ausschuß zu delegieren. Auch er wird nicht Verhindern können, daß Elizabeths Gehalt aufgebessert wird.

Vor über einem Jahr hatte Prinzgemahl Philip im amerikanischen Fernsehen gejammert, daß man bald in die Roten Zahlen rutschen und vielleicht aufs geliebte Polospiel verzichten werde. Das Haushaltsdefizit für 1970 betrug rund 100 000. Pfund – kein Wunder, denn Elizabeth erhielt seit ihrer Thronbesteigung im Jahre 1952 keinerlei Aufbesserungen. Und die Inflation fraß inzwischen immerhin 85 Prozent der Kaufkraft von Pfund und Penny.

Anspruch auf ein Gehalt erhielt erstmals der Inselmonarch George III., der die Briten um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert regierte. Dafür verzichtete er auf seine Kronländereien. Elizabeth sollte von der Regierung Churchill jährlich 475 000 Pfund erhalten, aufgeteilt in 185 000 Pfund für Löhne und Gehälter der 300 Palastbediensteten, 121 000 Pfund für Haushaltsausgaben, 60 000 Pfund als Taschengeld und einem "Inflationspuffer" von 85 000 Pfund. Heute, 20 Jahre später, kann sie damit ihre verfassungsmäßigen Pflichten nicht mehr "in würdigem Rahmen" erfüllen, und die Regierung wird trotz der "linken" Kritik tiefer in die Staatskasse greifen müssen.

Die Monarchie kostet die Briten viel mehr als nur gerade die aufbesserungswürdigen 475 000 Pfund der "Zivilliste" – das königliche Gehalt. So zeigte die gesamte königliche Rechnung für. 1970 folgende imposante Aufwendungen: 1,4 Millionen Pfund für Haus- und Unterhalt der Paläste, 36 000 Pfund für Gratisreisen mit der Eisenbahn, – 940 000 Pfund für die königliche Jacht, 400 000 Pfund für die Flugzeuge; 57 000 Pfund für Post- und Telephon, 170 000 Pfund für die Bewirtung höherer Gäste. Zusammen mit kleineren Posten insgesamt 3,7 Millionen Pfund oder gute 30 Millionen Mark.

Dagegen hätte nun auch der tobende Fabier Crossman nichts einzuwenden. Immerhin bringen die Kronländereien sichere fünf Millionen Pfund ein. Und die Ausgaben der "queenhungrigen" Touristen lassen sich nicht einmal abschätzen. "Königliche Unverschämtheit" nennt Crossman die Lohnforderung deshalb, weil Elizabeth auf Kosten des Steuerzahlers weiterhin "protzen" soll, obwohl sie als reichste Frau der Welt gilt und praktisch keine Steuer zahlt. Ihre privaten Multi-Millionen, meint der Labour-Mann, hätten sich in der Hand ihrer königlichen Anlageberater mindestens so schnell vermehrt, wie ihr Staatssalär von der Inflation aufgefressen wurde.

Und Elizabeths Millionen geben den Briten viele Rätsel auf: Ist sie wirklich die reichste Frau der Welt, und wieviel hat sie? Crossman kann nicht helfen; "mindestens 50 Millionen Pfund" schätzt er in seinem Pamphlet. Andere reden von 120 Millionen. Sicher weiß man nur, was sie nicht besitzt: Kronjuwelen, Goldkarossen, Gemäldegalerien, Briefmarkensammlungen, Paläste, Jachten, Flugzeuge gehören allesamt dem Staat, einzelnen Ministerien oder der Krone.