Von Richard Löwenthal

Herr Bertsch hat das Problem der ideologischen Abgrenzung angesprochen, und er weiß sehr genau, daß ich vom entgegengesetzten Standpunkt her mit ihm übereinstimme. Man kann jedoch ideologisch abgrenzen und braucht trotzdem den Kontakt der Menschen mit verschiedenen Standpunkten nicht zu scheuen. Ich bin vielmehr der Meinung, wir sollten uns gegenseitig sicher genug fühlen und gegenseitig loyal genug sein, um uns staatlich nicht einzumischen und den Kontakt der Menschen, die unter verschiedenen Systemen aufgewachsen sind und leben, zu riskieren im Interesse der Kooperation.

Nun ist aber das Wort Abgrenzung mittlerweile in der selben Gefahr wie so viele politischen Begriffe, daß es nämlich vieldeutig wird. Abgrenzung kann auch gebraucht werden, um zu sagen: Die Schranken für Reisen oder Besuche, für den Kontakt zwischen den Menschen müssen genauso hoch bleiben, wie sie sind, oder noch höher werden. Für diese Abgrenzung bin ich nicht, und sie ist mit Kooperation auch nicht vereinbar.

Ich wiederhole noch einmal: Prinzip der ideologischen Nichteinmischung: ja. Recht jedes Staates, sich gegen feindliche Vorstellungen zu wehren: ja. Aber ich meine, wir sind beide stark und gefestigt genug, um trotzdem eine Verminderung der Schranken zwischen den Menschen riskieren zu können.