Neu in Museen und Galerien:

Berlin Bis zum 19. Juli, Nationalgalerie: "Mark Rothko"

Ein schwieriges Werk, ein schwieriger Fall: Mark Rothko, der für den Beginn einer originären amerikanischen Malerei wichtig war, der vor einem Jahr tot in seinem New Yorker Atelier gefunden wurde. Daß er sich selbst, sein Bildthema, das Motiv der übereinander geschichteten Farbrechtecke mit wolkig zerfransten Rändern ad infinitum repetiert hat, demonstriert jede Rothko-Retrospektive. Man kann das allerdings auch als einen Vorzug sehen. "Dieser Zwang zur Wiederholung ergab eine gelassene, beharrliche, aber eher sanfte Litanei, die wie der Singsang östlicher Mönchsgesänge war, das Drehen der Gebetsmühle oder die immer wiederholten Anrufungen der lauretanischen Litanei", schreibt Werner Haftmann, der Rothko 1959, auf der II. documenta, in Deutschland vorgestellt hat. Solche Vergleiche aus dem religiösen und liturgischen Gebiet sind natürlich nicht zufällig oder nachlässig gewählt, sie wollen auf spezifische geistige Qualitäten hinweisen, die man in seinen Bildern vermutet: Malerei der Stille, der Meditation, mystischer Versenkung. Im Februar 1971 wurde "von Vertretern aller großen Weltreligionen" im Institute for Religion and Human Development eine Kapelle mit Rothko-Bildern eingeweiht. Über mystische Qualität läßt sich nicht streiten, sie entzieht sich rationalen Kriterien. Wenn man die Bilder nicht als Kapellenschmuck und Meditationsobjekte betrachtet, dann stellen sie den Versuch dar, Räumlichkeit allein durch das Medium der Farbe herzustellen, ein für die Malerei der 50er Jahre relevantes Problem. Dagegen ist die Frage, ob diese Öffnung des Bildraums als "mythic action" und Erschließung unendlicher Räume zu verstehen sei, rein spekulativ.

Göttingen Vom 3. bis zum 6. Juni, vor und in der Stadthalle: "2. Kunstmarkt Göttingen"

Anders als die etablierten Kunstmärkte in Köln oder Berlin steht der Göttinger Markt allen Künstlern, Künstlergruppen, Genossenschaften, Agenturen und Galerien offen. In drei großen Zelten sollen Gemälde, Grafik, Posters und Objekte verkauft werden. Auf den Plätzen der Stadt sind Aktionen vorgesehen. In der Stadthalle tagt ein offener Kunstkongreß, wo zwischen Experten und (hoffentlich) "breiten Kreisen der Bevölkerung" Themen wie Straßenkunst, Konzeptkunst, Kommerzialisierung der Kunst und ihre gesellschaftspolitische Relevanz diskutiert werden.

Köln Bis zum 30. Juni, Galerie Onnasch: "George Segal"

Ein paar Environments aus den Jahren 1964 bis 1968, die in Deutschland noch nicht zu sehen waren, andere Motive, aber nach dem gleichen Prinzip gearbeitet, das Segal entwickelt hat, das eine neue Phase in der zeitgenössischen Menschenbildnerei eingeleitet hat, eine Art Genre-Realismus, Genre ohne den abwertenden Akzent, den es im 19. Jahrhundert bekommen hat. "Ich sehe meine Aufgabe darin, Gesten und Haltungen einzusammeln und einzufrieren." Die Gesten von Leuten, die mit irgend etwas beschäftigt sind (der Straßenarbeiter) oder auf etwas warten (im Waschsalon) oder an der Autotür lehnen und in dieser Haltung mitsamt den realen Requisiten ihrer Umwelt erstarren und in die Grabkammern einer monumentalisierten Trivialität eingehen.