Robert Owen hatte ein soziales Herz – aber auch einen kühlen Kopf. Als dieser Robert Owen, Chef einer Spinnerei auf der britischen Insel, die Arbeitszeit seiner Mitarbeiter unter die Lupe nahm, machte er eine verblüffende Entdeckung. Er stellte nämlich fest, daß die Rechnung "Längere Arbeitszeit gleich höhere Produktion" gar nicht stimmte.

Also schritt Robert Owen, bekannter englischer Sozialreformer, im Jahre 1816 zur Tat. Er reduzierte die Zeit, die seine Arbeiter hinter den Maschinen standen, um ein Drittel – von 16 auf 10,5 Stunden pro Werktag. Und siehe da, die Produktion ging nicht zurück. Die durchschnittliche Stundenleistung nahm statt dessen um genau ein Drittel zu.

Owens Erfahrung aus den Anfangsjahren der Industrialisierung ist keineswegs überholt. Moderne Arbeitsmedizin und -psychologie haben sie bestätigt und natürlich differenziert. Es dauert aber auch heute noch sehr lange, bis derartige Erkenntnisse auch in der Gestaltung des Produktionsprozesses berücksichtigt werden.

Dabei könnten Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen von der Anwendung solcher wissenschaftlicher Erkenntnisse profitieren. Es scheint, als habe die soziale Auseinandersetzung den Blick für gleiche Interessen in vielen Bereichen getrübt.

Die wöchentliche Arbeitszeit in der Bundesrepublik ist auf durchschnittlich 42 Stunden gesunken, etwas über acht Stunden pro Tag. Die Arbeitsforscher haben indes herausgefunden, daß bei einer weiteren Verkürzung der Arbeitszeit die Produktion längst nicht in dem Maße zurückginge, wie das allgemein erwartet wird.

So haben zum Beispiel 1964 Forschungen ein scheinbar kurioses Ergebnis erbracht: Wird die Arbeitszeit um ein Prozent kürzer, so beträgt der Verlust für die Produktion nur 0,6 Prozent. Das kann daran liegen, daß gegen Ende des Acht-Stunden-Tages die Produktivität einen beträchtlichen Tiefpunkt hat.

Noch verblüffender sind die Effekte, wenn die tägliche Arbeitszeit beträchtlich über acht Stunden hinausgeht. Für solche Situationen stellte der Amerikaner Vernon schon 1921 fest, daß eine zeitliche Verkürzung des Arbeitspensums um zehn Prozent zu einer Leistungssteigerung von 17 Prozent führt. Die Arbeitgeber können also einen Produktivitätsgewinn von fünf bis sechs Prozent verbuchen. Überstunden werden somit zu einer kostspieligen Angelegenheit für den Betrieb; denn das teuer bezahlte Übersoll ist in der Regel von schlechter Qualität.