Nach dem "Durchbruch", der bei den Gesprächen zwischen Staatspräsident Pompidou und Premierminister Heath in der Frage des englischen EWG-Beitritts erzielt wurde, ist in England erneut eine lebhafte Debatte aufgebrochen. Heath drängt auf eine rasche Entscheidung und möchte, wie ihm die Opposition vorwirft, den neuen "Schwung" auch innenpolitisch nutzen. Da die britische Regierung damit rechnet, daß bis zum 24. Juni alle strittigen Einzelfragen geregelt sind, will sie sofort anschließend ein Weißbuch zum EWG-Beitritt vorlegen und darüber noch vor der Sommerpause Ende Juli im Unterhaus abstimmen lassen.

Gegen diesen Zeitplan opponiert Labour. Ihre Beitrittsanhänger verlieren zunehmend an Boden; prominentester "Überläufer" war in der vorigen Woche der ehemalige Schatzkanzler Callaghan. Auch die beitrittsfeindlichen Gewerkschaften verlangten, geplante Sonderkongresse über die EWG vorzuverlegen, um nicht im Herbst vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Heath hat vergangene Woche, als die Konservativen in drei Nachwahlen deutliche Niederlagen einstecken mußten, im Fernsehen seinen Beitrittskurs verteidigt. Er hoffe, so sagte er, daß die Wähler die politischen und wirtschaftlichen Vorteile der Gemeinschaft einsehen würden. 1958 habe sich Großbritannien in einer besseren Lage befunden als fünf der sechs Länder, die sich damals zusammenschlossen. Heute stehe, dank der erfolgreichen Entwicklung der EWG, nur Italien noch schlechter da.