Wäre es auf dem Prager Parteikongreß der "Normalisierung" so normal zugegangen, wie Gustav Husák es der Welt einredete, so hätte er gewiß den Beifall der größten kommunistischen Partei des Westens, der italienischen, gefunden. Vergebens hatte sich der CSSR-Botschafter in Rom schon vor Wochen vorher darum bemüht; doch anders als die jugoslawischen und rumänischen Kommunisten wollten die italienischen dem Prager Parteichef keine Schützenhilfe gewähren.

In der römischen KP-Zentrale denkt man vor allem an die eigene innenpolitische Glaubwürdigkeit. So war die KPI weder dazu zu bewegen, eine komplette Delegation nach Prag zu entsenden, noch ließ sich das ZK-Mitglied Sergio Segre, das allein seine Partei in Prag vertrat, auch nur ein Wort von der mitgebrachten Grußadresse abhandeln. Daraufhin von der Rednerliste gestrichen, reiste Segre noch vor dem Schlußempfang ab und übergab seinen brisanten Text dem römischen Parteiorgan Unità. Darin war von der "positiven Einschätzung" des Prager Frühlings von 1968 die Rede und von der Ablehnung der "militärischen Intervention"; dazu enthielt die Adresse das Bekenntnis, "daß wir keine Elemente entdecken konnten, die uns zu einer Änderung dieses unseres Urteils veranlaßt hätten".

Jetzt berät das Politbüro der KPI, ob es gegen die Prager Zensur polemisieren oder nur sein Mitgefühl für Husák bekunden soll. In jedem Falle wird der Vorfall Kommunisten in aller Welt einen weiteren Anstoß geben, mit dem eigenen Kopf zu denken. ste.