Es hört sich fast so an, als ob ein Juso seinem i Unwillen Luft machen würde: "Wann endlich lesen wir laut und deutlich aus Artikel 14 des Grundgesetzes, daß jedes Eigentum verpflichte und sein Gebrauch zugleich dem Wohle der Allgemeinheit Rechnung tragen soll?" Doch der dies forderte, war kein geringerer als der Bundespräsident. Heinemann zögerte auch nicht, von einer Minderheit zu sprechen, der "ohne Leistung große und größte Vermögen zufallen".

Als zu Beginn des Jahres ein Karlsruher Verfassungsrichter ähnliche Töne verlauten ließ, war die Empörung allgemein. Das Geschrei von der nahen Sozialisierung übertönte den wahren Anlaß der Klage: Die Bodenspekulation erschwert eine sinnvolle Raumordnungspolitik.

Es spricht nicht für das Verantwortungsbewußtsein der Grundbesitzer, wenn sie immer wieder auf ihre Rechte pochen, an die Pflichten jedoch von anderen erinnert werden müssen. Bei der Berufung auf die Marktwirtschaft wird oft das Wörtchen "sozial" wie zufällig vergessen. Gerade hierin drückt sich aber die Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft aus. Daß der Bundespräsident dies unterstrichen hat, ist wichtig. Künftig wird nicht jeder einfach als Salonrevolutionär abgetan werden können, der solches fordert. Wie allerdings ein Gesetz gegen die Bodenspekulation aussehen soll, das zugleich praktikabel und gerecht ist, weiß bisher niemand so recht. smi