Ungläubig las Josef Bader, Vizepräsident und bayerischer Landesverbandsvorsitzender des Rings Deutscher Makler (RDM), was da sein bayerischer Kollege vom Haus- und Grundbesitzverband, Georg Stiller, empfohlen hatte: "Hausbesitzer sollten bei der Vermietung ihrer, Wohnungen keine Makler einschalten, um die Mieten durch die hohen Provisionen nicht zu belasten." Stiller, so stand in Pressemeldungen, vertrat die Auffassung, durch Maklergebühren werde das Mietverhältnis von Anfang an unnötig belastet. Lieber sollten Hausbesitzer und Mieter direkt Kontakt – etwa durch Anzeigen – zueinander finden.

Wenige Tage später wurde der Konflikt zwischen Hauseigentümern und den von ihnen abhängigen Maklern bayerisch-freundlich beigelegt. Stiller, so verkündete Bader, habe das nicht so gemeint. Stiller selbst schwieg. Sibyllinisch gab. sich Stillers Zentrale. Theodor Paul, Geschäftsführer des Zentralverbandes der Haus- und Grundstückseigentümer, ließ anläßlich des wenig später stattfindenden Verbandstages erklären: "Der Zentralverband gibt weder eine Empfehlung für die – Einschaltung der Makler noch dagegen." Gerade bei preisgünstigen Projekten erübrige sich ohnehin die Vermittlung durch einen Makler.

Soweit schien das Thema abgewiegelt. Doch just in diese Tage fiel auch noch der Verbandstag des Deutschen Mieterbundes in München. Für Mieterpräsident Paul Nevermann waren die bayerischen Klänge Lieblingsmusik. Sogleich setzte er eine Aussprache über die Stillerschen Vorschläge auf die Tagesordnung. Resümee des Mietertages: "Wer die Musik bestellt, der mußsie bezahlen, das heißt: Wer den Makler beauftragt – sei es nun der Vermieter oder der Mieter –, der müßte normalerweise die Gebühren bezahlen."

Vom Standpunkt des Mieters, so erläutert Helmut Schlich, Geschäftsführer des Mieterbundes, das Votum seiner Freunde, ist es nicht einzusehen, daß zwei bis drei Monatsmieten (nicht, selten 500 bis 1000 Mark) an Provision gezahlt werden müssen, wenn der Vermieter durch Aufgabe eines Zeitungsinserats für 25 Mark denselben Zweck erreicht.

Die Unzufriedenheit der Mieter über Makler ist deswegen so groß, weil häufig ersichtlich ist, daß die Gegenleistung des Maklers in keinem Verhältnis zur Höhe der Provision steht. So stellen Wohnungssuchende immer wieder fest, daß der Makler lediglich "einen Blick in die Kartei tut" und dafür Honorar kassiert.

Zu zahlreichen Konflikten kommt es auch wegen dunkler Geschäftsgebaren und Unkorrektheiten einiger Makler. Eine weitverbreitete und auch vom Ring; Deutscher Makler als "unseriös" verurteilte Unsitte ist zum Beispiel, wenn Makler sogenannte "Einschreibgebühren" verlangen, ehe sie überhaupt ihre Tätigkeit aufnehmen. Oder sie verlangen Vorschüsse auf die Provision, zahlen das Geld aber keineswegs zurück, wenn es nicht zum erfolgreichen Abschluß kommt. Andere Makler wiederum verlangen überhöhte Provisionen, also mehr als zwei Monatsmieten.

Ein lukratives Geschäft unseriöser Makler ist es, dieselbe Wohnung mehrfach zu vermieten, jedesmal aber die Provision zu kassieren. Erklärung für die übertölpelten Wohnungssucher: "Da hätten sie eben schneller sein müssen." Sogar nicht existente Wohnungen wurden "vermietet". Schließlich weiß Helmut Schlich noch zu berichten, daß sich Makler nicht selten ohne Auftrag des Vermieters einschalten. Sie erfahren von einer freien Wohnung oder lesen die Anzeige eines Vermieters, vermitteln das Objekt und kassieren – häufig ohne daß der Vermieter es je erfährt – Provisionen. Sogar Sozialwohnungen haben Makler schon vermittelt, auch in den Bundesländern Hessen und Berlin, obwohl es dort gesetzlich verboten ist. Gang und gäbe ist es bei gewissen Maklern, die Vermieter zu höheren Mietpreisen zu ermuntern. Denn dadurch erhöht sich auch die von der Miethöhe abhängige Provision,