Von Manfred Sack

Es geschieht nicht oft, daß am Ende eines Architektur- oder Städtebauwettbewerbes eine Nebensache als Ergebnis so wichtig ist wie die Hauptsache, also die Leistung, die beurteilt und mit Preisen belohnt wird. Bei dem "Städtebaulichen Ideenwettbewerb", den die Freie und Hansestadt Hamburg für ihre "westliche Innenstadt", ein bedeutendes Terrain, im November ausgeschrieben hatte, war dieses Ergebnis auch nicht nur ein Beinbruch, den ein Doktor mit routinierter Lässigkeit von selber heilen läßt, sondern eine ziemlich heftige innere Verletzung.

Irgendwann fiel, während das honorige Preisgericht tagte (darunter Städtebauprofessoren wie Albers, Müller-Ibold, Erika Spiegel, auch Bakema aus Rotterdam, dann Städtebaupraktiker wie Sill und Ebert aus Hamburg, Müller aus Berlin, Rosenberg (a. D.) aus Bremen, ferner Architekten, zugleich Verbands- und Kammerpräsidenten wie Bunsmann, Marlow, Matthaei aus Hamburg), irgendwann fiel das Wort Skandal.

Nun bedeutet das noch nicht viel, weil Skandal zu den Wörtern gehört, die rasch und unkontrolliert zu wuchern anfangen, sobald Unmut ihnen eine Spur von Boden bietet. Und der es aussprach, hatte diesen Wettbewerb ja auch toleriert – als Juror. Aber das Mißbehagen steigerte sich allmählich, besonders beim Ergebnis, das viele "hatten kommen sehen", das "schon in der Fragestellung des Wettbewerbes begraben" gelegen habe.

Das Leistungsergebnis, das dem Preisgericht deshalb so "außerordentliche Probleme" bereitet hat, hatte sich schon in der geringen Zahl von Einsendungen angekündigt: Die 32 Sach- und Fachpreisrichter, Sachverständigen und Vorprüfer nebst Stellvertretern hatten nur über 19 Arbeiten zu richten (von denen alsbald vier aus dem Rennen fielen, weil gewisse Bedingungen nicht erfüllt oder eigensinnig interpretiert waren). Diese dürftige Beteiligung wiederum war begründet in einer bedenklichen Häufung sachlich sehr verschiedenartiger Aufgaben. "Auch wenn siebzig Entwürfe eingegangen wären, hätte es kein besseres Ergebnis geben können", sagte ein Juror – eine vielleicht nicht falsche Vermutung, aber ein schwacher Trost, auch wenn ein anderer die neunzehn wackeren Berserker lobte: "Die haben gearbeitet wie die Büffel."

Die Erklärung, daß gleichzeitig Karlsruhe einen Städtebauwettbewerb veranstaltet und weit über zweihundert Teilnehmer auf sich gezogen habe, ist kein gutes Argument; denn das Hamburger Stadtgebiet, um das es hier ging, ist unvergleichlich viel interessanter als das Stück aus der Citytorte Karlsruhes. Hamburg hatte sich erhofft: Erkenntnisse für die urbane Erneuerung seiner "westlichen Innenstadt", eines relativ dicht bewohnten Teils der zentralen Stadt, eingefaßt auf der östlichen Seite von der Altstadt (mit Hauptbahnhof, Rathaus, den alten Kirchen), im Westen von Altona. Südliche Begrenzung ist die Elbe mit dem Hafen.

Zur "westlichen Innenstadt" gehören die der Altstadt benachbarte