In aller Stille entschied sich die Steuerkommission der Sozialdemokraten für eine Abgäbe, die es bislang im deutschen Steuerrecht nicht gab: die Besteuerung nichtrealisierter Gewinne. Betroffen sind jene, von denen sich die Stadtväter Münchens, Hamburgs, Düsseldorfs und anderer Ballungszentren seit Jahren in ihren Städtebauabsichten behindert fühlen: Grundstücksspekulanten.

Nach den SPD-Plänen sollen die Grundstückseigentümer Jahr für Jahr den Wertzuwachs ihres Grundeigentums auch dann bei den Finanzämtern angeben und sich einer zusätzlichen Einkommensteuer unterwerfen, wenn sie Grund und Boden nicht verkauft haben. Denn nach Meinung der Kommission ist nicht einzusehen, "warum eine Wertsteigerung erst als Einkommen gelten soll, wenn sie von einem Realvermögenszuwachs in einen Geldvermögenszuwachs umgewandelt wird",

Schon 1967 hatte sich der wissenschaftliche Beirat im Finanzministerium unter Minister Franz Josef Strauß in einem Gutachten zur Reform der direkten Steuern bekannt: "Grundsätzlich erhöht jeder Reinvermögenszuwachs das Einkommen des betreffenden Kalenderjahres und wäre demgemäß mit dem laufenden Einkommen des Veranlagungszeitraumes zu besteuern."

Mit dem SPD-Plan, der die Grundstückspreise dämpfen und mehr Mobilität auf dem Bodenmarkt schaffen soll, erhielten die Bodenpläne von Wohnungsbauminister Lauritz Lauritzen und der unabhängigen Steuerreformkommission der Bundesregierung Konkurrenz.

Sowohl das Finanzministerium wie auch die Steuerreformkommission plädieren nur für eine Besteuerung der Veräußerungsgewinne beim Grundstücksverkauf. Diese Veräußerungssteuer soll überdies nur für einen beschränkten Zeitraum gelten: für acht Jahre. Während dieses Zeitraumes sollen zwischen 100 und 265 Prozent des Veräußerungsgewinns besteuert werden. Später würde die Steuer entfallen.

Just das erreicht nach Meinung der SPD-Experten nicht das angestrebte Ziel. Denn wenn nichtrealisierte Gewinne nicht besteuert werden, dann trete "ein bekannter, wenig schöner Effekt" ein. "Die Bodenbesitzer würden ihre Grundstücke halten, solange es nur geht, und versuchen, auf allerlei Wegen der Besteuerung zu entgehen. Damit wäre eine wesentliche Voraussetzung der erwünschten Bodenverwendung, die Mobilität der Grundstücke, gefährdet", so der Generalsekretär der SPD-Kommission, Albrecht Müller.

Die Vorschläge des Wohnungsbauministeriums wären dagegen schon eher geeignet, der Spekulation mit Grund und Boden ein Ende zu setzen. Nach dem Gesetz sollen die Kommunen die Möglichkeit erhalten, Grundstückseigentümer in Sanierungsgebieten zu Abbruch, Neubau oder zur Modernisierung in einem von der Gemeinde gesteckten Rahmen zu zwingen. Wer sich den Geboten entzieht, kann enteignet werden.