Daß alles teurer wird, ist in unserer Welt keine epochemachende Nachricht", seufzte Wolfgang Schwabe, SPD-Bundestagsabgeordneter und Vizepräsident des Deutschen Fremdenverkehrsverbandes auf der letzten Tagung seiner Organisation in Hamburg. Der Seufzer kennzeichnet die Situation treffend: Urlaub in Deutschland wird in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 bis 7 Prozent teurer.

Die Schuld daran – so eine Erklärung des Fremdenverkehrsverbandes – tragen die gegenwärtige konjunkturelle Lage mit einem sich nur langsam entspannenden Arbeitsmarkt, abflachende Zuwachsraten in einigen Investitionsbereichen und vor allem der hohe Preisanstieg in nahezu allen Bereichen. Zudem leidet der deutsche Fremdenverkehr immer noch unter den Folgen der Aufwertung vom Oktober 1969, welche die Auslandsreisen zwar für Deutsche verbilligte, den Aufenthalt für Ausländer in Deutschland aber verteuerte. Zunächst wurden die Folgen dieser Aufwertung durch starke Preissteigerungen im Ausland kompensiert, jetzt aber steigt das allgemeine Preisniveau in der Bundesrepublik fast im gleichen Ausmaß wie in den Nachbarländern. Folge: Die Konkurrenzsituation gegenüber dem Ausland verschlechtert sich, weil in der Bundesrepublik in den Kalkulationen stark steigende Personal- und Sachkosten berücksichtigt werden müssen. Die neuerliche Freigabe des Wechselkurses hat die Lage angeblich nicht beeinflußt.

Was tun? "Als Anpassungsmaßnahmen stehen Minderung der Leistung, Preiserhöhung oder Minderung des Gewinns zur Verfügung", Hagen die Fremdenverkehrsbetriebe. Eine Minderung der Leistung sei nur in geringem Umfang möglich, da der Kunde immer mehr Komfort verlange, heißt es, Preiserhöhungen seien aber hier und da durchsetzbar. Also zahlt der Kunde die schöne, teurere Welt. Von Gewinnminderung mag man ohnehin nicht reden, da die aus vorwiegend mittelständischen Unternehmen bestehende deutsche Fremdenverkehrswirtschaft dann möglicherweise "Schaden erleidet" und eine Minderung der Rendite nicht einmal rechtzeitig erkennt.

Nur in Schleswig-Holstein hat man die Situation messerscharf erkannt. Dort wurde der allmählich uferlos werdende Bau von Hotelbetten durch eine Einstellung der finanziellen Förderung seitens der Landesregierung gestoppt. An derWasserkante spricht man nicht mehr von einem Bettenberg, weil ab sofort keine Betten mehr auf diesen Berg gesetzt werden. stä