Menschliches Versagen hat in der vorigen Woche das schwerste Bundesbahn-Unglück der Nachkriegszeit verursacht. Einundvierzig Schulkinder und fünf Erwachsene starben nach einem Zusammenstoß auf der eingleisigen Nebenstrecke bei Dahlerau im Bergischen Land. Die Ermittlungen werden nun einem Lokführer oder dem Fahrdienstleiter von Dahlerau die Verantwortung zumessen. Einen wird das Gericht schuldig sprechen – und ihn zugleich dafür bestrafen, daß auf solchen Nebenstrecken noch immer mit unzulänglichen technischen Einrichtungen, mit Hand- und Signalzeichen, mit Absprachen und voluminösen Vorschriften der Verkehr "sicher" abgewickelt werden muß.

Menschliches Versagen? Die Katastrophe von Dahlerau wäre zu vermeiden gewesen. Nur: Dem Fahrdienstleiter fehlten die technischen Mittel, sie aufzuhalten.

Ganze 215 Millionen Mark würde et beispielsweise kosten, auf den rund 8000 Lokomotiven und Triebwagen sowie auf allen Betriebsdienststellen eine Funksprechanlage einzubauen. Das entspricht, rechnet man den Kilometer Autobahn mit fünf Millionen Mark, gerade 43 Autobahnkilometern; 350 Kilometer Neubau waren für 1971 geplant. Ganze 215 Millionen für mehr Sicherheit auf Strecken, die man vor zehn Jahren noch stillegen wollte, die heute jedoch steigenden Verkehr bewältigen müssen und verstopfte Straßen entlasten...

Unter dem frischen Eindruck der Katastrophe sprach der ermittelnde Staatsanwalt von "Konsequenzen bis in die höchsten Spitzen der Bundesbahn", die es unverzüglich zu ziehen gelte. Sie wären in der Tat nötig. Vor allem im Bundesverkehrsministerium. H. B.