Die Düsseldorfer Avantgarde-Galerie Konrad Fischer verschickte eine Einladung: Wir bieten Gelegenheit zu einem Gespräch mit Ian Wilson. Was gewöhnlich als zusätzliche Attraktion einer Ausstellungseröffnung geboten wird, die Verheißung, der Künstler sei anwesend, galt hier als die künstlerische Demonstration selbst. Denn Ian Wilsons artistisches Werk besteht allein darin, daß er mit den Menschen redet. Sein Thema: „Oral communication“ – eine Richtung der Concept Art.

Nach Auffassung der Concept Artisten bedarf es keiner handgreiflichen Ausführung, damit die künstlerische Idee wirkt, keine Übersetzung in materielle Qualitäten. Entscheidend ist die Idee und nicht das vermittelnde Vehikel.

Für den Kunsthandel erwachsen daraus Konsequenzen. Prinzipiell entziehen sich Arbeiten der Concept Art der Kommerzialisierung. Da künstlerische Ideen frei verfügbar sind, setzt eine reine Ideenkunst den preistreibenden Kult um das einmalige Kunstwerk außer Kurs.

Ian Wilsons Idee einer „oral communication“ scheint im Kunsthandel nicht verwertbar zu sein. Es sei denn, jemand entschlösse sich, für eine Unterhaltung mit Ian Wilson einen entsprechenden Obolus zu zahlen. Dem Händler fiele dann die Rolle des Impresarios zu, der gegen ein Entgelt die Verabredungen für die mündlichen Kommunikationsversuche zu organisieren hätte.

Einige Galeristen haben bereits die Herausforderung der Concept Art angenommen. Dabei kommt ihnen zustatten, daß sich nicht sämtliche Künstler eines hinsichtlich der Vermarktung so spröden Mediums (der Sprache) bedienen wie Ian Wilson. Die Ideensysteme anderer Artisten schlagen sich meist als Beschreibungen, Skizzen, Photos oder Filme nieder und sind damit für den Handel als Ware verwertbar.

Zwei wesentliche Unterschiede zu traditionellen Kunstwerken bleiben: Die Fixierungen der Konzeptkunst sind nur Spuren eines künstlerischen Denkprozesses, der erst im Kopf des jeweiligen Rezipienten realisiert wird. Sie können andererseits mit Hilfe der Massenkommunikationsmittel, Buch, Zeitung, Film und Fernsehen, publiziert werden. Damit wird der Kunsthändler zum Verleger. Seine Funktion: das Vermitteln von Konzepten. Klaus Honnef