Der Figaro berichtete von der "ständigen Besorgnis aller Rheinanliegerstaaten". Anlaß zur Besorgnis gibt, wie die Pariser Tageszeitung erfahren hat, die immer größere Salzfracht des Rheins: 1969 waren es an der deutsch-niederländischen Grenze 10,8 Millionen Cloride oder 344 Kilogramm pro Sekunde.

So umstritten wie diese Zahl ist auch der Hauptschuldige: die elsässischen Kaligruben im Raum zwischen Mülhausen und Kolmar. Ihre Zutat liegt bei 215 Kilogramm pro Sekunde. Dies und die gesamte Salzfracht des vielbesungenen Schicksalsstromes scheint dem Präsidenten der Koblenzer Bundesanstalt für Gewässerkunde, Josef Wallner, "mehr als uns allen lieb ist".

Die Franzosen stört das weniger, denn der Rhein hört wenig nördlich auf, "ihr" Fluß zu sein. "Die sind eben die Oberlieger", kommentiert man verärgert in der internationalen "Kommission zum Schutz des Rheins".

Seit langem schon sucht die Kommission nach, einer Lösung dieses Problems – ohne dabei schon weitergekommen zu sein. Der Plan einiger CDU/CSU-Bundestagsabgeordnete, den Franzosen nach dem Verursacherprinzip einfach nahezulegen, sie sollten selbst ihren Teil zum Umweltschutz beitragen, scheiterte.

Die Franzosen, die sich lange Zeit überhauptgeweigert hatten, den Abfall ihrer staatlichen Kaligesellschaft zur Kenntnis zu nehmen, verfielen nach einiger Zeit auf eine Idee: Die Rückstandsalze sollten nicht mehr in den Rhein gepumpt, sondern aufgehaldet werden – freilich nicht auf eigenem Territorium. Die deutsche Rheininsel Sessenheim im baden-württembergischen Grenzbereich schien ihnen der rechte Platz. Und die Kosten sollten alle Anliegerstaaten tragen. Einwand der deutschen Kommissionsmitglieder: Das gefährde die Trinkwasserversorgung der anliegenden Gemeinden, da das Salz das Grundwasser verseuche.

Im Bundesverkehrsministerium weiß man eine sehr viel besser geeignete Stätte für Salzhalden: das Werksgelände der Kaliminen. In der Tat sind dort schon vor längerem versuchsweise Halden angelegt worden, die für die Franzosen nur den Nachteil haben, daß sie in die darunter liegenden Gruben einzubrechen drohten. Kommentar aus dem Verkehrsministerium zu diesem Einwand: "Humbug".

Unterdessen haben die Franzosen einen weiteren Vorschlag ausgetüftelt, der wiederum den Vorzug hätte, daß er ihnen selbst Vorteile, anderen aber Nachteile brächte: Sie wollen die Rückstandsalze veredeln. Zusammen mit einem holländischen Partner, dem Chemiekonzern AKZO wollen sie nahe Mülhausen eine Vakuumsalzanlage errichten.