Die meisten deutschen Politologen meinen, wenn sie von politischer Theorie, Ideengeschichte, Institutionenlehre sprechen, wie selbstverständlich nur deutsche oder westliche Gelehrsamkeit, ja, sie gehen so weit, daß sie politikwissenschaftliche Studien über nichtwestliche Länder als "landeskundliche" Arbeiten bezeichnen. Bei ihrem Studium der internationalen Politik untersuchen sie immer noch vornehmlich innereuropäische Fragen, obwohl sich der Schwerpunkt des politischen Weltgeschehens schon seit geraumer Zeit nach Asien verlagert hat. Anders in den Vereinigten Staaten: Dort pflegen die Politologen situationsbedingt bei international relations vor allem an Asien zu denken. Ein Beispiel dafür ist die folgende Schriftenreihe, die ich besonders deutschen Politologen aus der Disziplin "Internationale Beziehungen" empfehle:

David O. Wilkinson: "Comparative Foreign Relations: Framework and Methods"; 191 Seiten, 30 s. – Robert C. North: "The Foreign Relations of China"; 156 Seiten, 30 s. Beide in "Comparative Foreign Relations Series", hersg. von David O. Wilkinson & Lawrence Scheinman; Dickensons Publishing Company, Inc., Belmont/California 1969.

Das theoretisch etwas hochgespannte Buch von Professor Wilkinson soll analytisch in seine Schriftenreihe einführen. Er entwickelt darin eine Reihe von Denkmodellen zur vergleichenden Analyse der auswärtigen Beziehungen souveräner Staaten. Sodann zergliedert er den Entscheidungsprozeß in der Außenpolitik in Faktoren wie Capability, Will und Residuais.

Ausgehend von diesen Wilkinsonschen Ansätzen versucht. Professor North, ebenfalls ein amerikanischer Politologe, in seiner flüssig geschriebenen und leichtverständlichen Studie die Außenpolitik der Volksrepublik China zu erklären, indem er die kulturellen, militärischen und wirtschaftlichen Capabilities und Zielsetzungen (will) Chinas betrachtet. Schließlich geht er dazu über, die chinesische Außenpolitik in der Praxis zu verfolgen (describe) und ihre Entwicklung vorauszusagen (project), indem er die chinesischen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und der Dritten Welt verfolgt. Der erste Teil ist für Politologen der vergleichenden Außenpolitik besonders wertvoll; zu kurz geraten ist der letzte Teil, er leidet darunter, daß die meisten Zahlen überholt sind. Diesen Mangel kann man am besten durch die folgenden Neuerscheinungen ausgleichen:

Harold C. Hinton: "China’s Turbulent Quest – An Analysis of China’s Foreign Relations since 1945"; The Macmillan Company/Collier-Macmillan Ltd., London Juni 1970; 340 Seiten, £ 4,00;

Peter Van Ness: "Revolution and Chinese Foreign Policy – Pekings Support for Wars of National Libération"; University of California Press, Berkeley 1970; 266 Seiten, $ 6,50.

Um es vorweg zu nehmen: Professor Hinton, mit dem ich von internationalen Tagungen her befreundet bin und dessen antikommunistische Einstellung ich gut kenne, konnte ich von vornherein nur befangen lesen. Um so überraschter war ich, bei der Lektüre festzustellen, daß er sich in seiner jüngsten Publikation sehr um Objektivität bemüht hat. Es wimmelt darin nur so von Wörtern wie "allerdings", "zwar – aber" und "vielleicht". Solche Einschränkungen gelten vielen deutschen Wissenschaftlern ja als Zeichen von "Ausgewogenheit".. Die Folge ist, daß Hinton ein ausgesprochen langweiliges Buch geschrieben hat. Wohl um es dennoch "flott" erscheinen zu lassen, hat er vollständig auf Quellenangaben und Anmerkungen verzichtet, so daß der wissenschaftliche Wert leidet.