In der Bundesrepublik sind heute ungefähr 8000 Computer eingesetzt. In fünf Jahren wird sich ihre Zahl verdoppelt haben. Dabei sind kaum fünfzehn Jahre vergangen, seit die Computer-Hersteller die ersten Aufträge deutscher Firmen entgegennehmen konnten. In dieser Zeit hat der Computer alle Zweige der Wirtschaft und alle Funktionsbereiche der Unternehmen erobert. Weder die öffentliche Verwaltung noch die Medizin können ohne ihn auskommen, Sprachwissenschaft und Kunst stellen ihn in ihre Dienste.

Inwieweit und mit welchem Nutzen die Fähigkeiten moderner Datenverarbeitungssysteme genutzt werden, das hängt beim heutigen Stand der Computertechnik von der Art und Weise ihrer Anwendung ab. Seit einigen Jahren spricht man vom Management-Informationssystem. Zunächst war es nicht mehr als ein Schlagwort und ein Verkaufsargument von Computer-Herstellern. Heute sind die technischen Hilfsmittel für die Realisierung von Teilinformationssystemen mit Datenbanken vorhanden und das Schlagwort bekommt Inhalt, der sich allerdings erst unscharf von seinem Hintergrund abhebt. Aber eines ist sicher: ob Teilinformationssystem oder Management-Informationssystem komplexer Natur – Computer-gestützte Informationssysteme werden Wirklichkeit werden. Und diese Systeme werden den Kampf um die Information, den Wettbewerb in der Privat- und in der Berufssphäre spürbar verschärfen.

Für die meisten Führungskräfte kam die Entwicklung überraschend schnell. Nicht nur, daß die Manager die Entwicklung nicht verfolgen konnten und die Vorgänge um den Computer nicht mehr durchschauen: sie erkennen nicht die Risiken und Gefahren, die dahinter lauern, die u. a. in der Zentralisierung großer wichtiger Datenbestände, in der Manipulation und im Zugriff durch unbefugte Dritte stecken.

Schuld daran ist u. a. der langjährige Mangel an geeigneten Veröffentlichungen. In den letzten beiden Jahren hat jedoch die Zahl der Bücher (in deutscher Sprache) über Computer schnell zugenommen. Der größeren Zahl an Titeln über die Computeranwendung in der Wirtschaft steht eine Anzahl von einführenden Veröffentlichungen allgemeiner Art gegenüber. Diese Bücher behandeln oftmals die Technologie über Gebühr, so daß es nicht wundert, wenn viele Käufer nicht zu Lesern werden. Zu den wenigen deutschsprachigen Publikationen, die im Rahmen des Möglichen versuchen, den Computer in einem größeren Zusammenhang, gleichsam als einen Teil der modernen Welt darzustellen, gehört

Peter Goldschneider/Heinz Zemanek: Computer, Werkzeug der Information. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York. 217 Seiten, Abbildungen, 19,80 DM,

Die beiden Autoren und vier Mitarbeiter geben ein spannendes und lebendiges Bild des Computers; sie zeigen, was er kann und wie er "das Leben beeinflußt". Einer der Autoren ist dem Kreis derer zuzuordnen, die das Werkzeug Computer bisher entscheidend geprägt haben: Professor Dr. Heinz Zemanek, Direktor des IBM-Laboratoriums Wien, der als Wissenschaftler und brillanter Formulierer gleichermaßen bekannt ist.

Die Verfasser machen die komplizierte Materie häufig durch Reduktion auf elementare Zusammenhänge transparent und würzen sie mit historischen Einblendungen. Der Verlag empfiehlt das Buch als Begleitmaterial zu der zehnteiligen Fernsehfolge "Computer", die zur Zeit vom ZDF ausgestrahlt wird. Das Werk ist jedoch keineswegs nur für den interessierten Laien geschrieben.