"Aber ist das zwei Jahre meines Lebens wert?"

Was habe ich in meiner zweijährigen Dienstzeit beim Bundesgrenzschutz erlebt und gelernt? Meine ehemaligen Klassenkameraden sind mir vier Semester voraus, und ich frage mich, was ich dem entgegenzusetzen habe.

Eines steht fest: In diesen 18 oder 24 Monaten sammelt man Erfahrungen, die die Schulkameraden, die sofort mit dem Studium begannen, nie machen werden; zu deren Erfahrungen wiederum kommen wir Wehrdienstleistende auch, eben nur 18 oder 24 Monate später.

Gleich am ersten Tage werden Äußerlichkeiten sichtbar, die aber tiefer wirken: durch die Trennung vom Elternhaus ist man ganz auf sich selbst gestellt. Dies führt bei manchen zu neuen Abhängigkeiten wie Alkohol, Freunde oder Freundinnen, vielleicht aber auch zu einer Stärkung der eigenen Persönlichkeit. Auch das Einfügen in eine Gemeinschaft auf engstem Raum stellt einen vor neuartige Probleme.

Vorbereitung auf das Studium und den späteren Beruf fällt schwer. Man vergißt viel. Dienstlich lernt man wenig hinzu, ausgenommen vielleicht als Fernmelder oder in einigen wenigen anderen Bereichen. Für den Stil angehender Geisteswissenschaftler wirkt es sich wohl sogar nachteilig aus, wenn er sich als Unterführer oder Reserveoffizier der kurzen und verstümmelnden Befehlssprache allzu freudig und unreflektiert bedient. Eigene Beschäftigung stößt auf Schwierigkeiten: Müdigkeit und Lethargie nach dem Dienst, zu starke Isolierung von der Gemeinschaft, ablehnende Haltung der Kameraden, selten Kontakt- und Gesprächsmöglichkeiten mit Gleichgesinnten. Zusätzlich fällt es schwer, sich selber angemessene Aufgaben zu stellen.

Beim Bundesgrenzschutz ist der Rechtskundeunterricht (Strafrecht, Strafprozeßrecht, Polizei- und Beamtenrecht) einigermaßen wertvoll und für Unterführer und Reserveoffiziere auch umfassend, da zusätzlich Wissen über Grenzen der Verwaltung, speziell der Polizei und deren Einsatzmöglichkeiten, vermittelt wird.

Eigene Erfahrungen mit der Verwaltung führen anfangs zu der ernüchternden Erkenntnis, wie schwerfällig sie doch tatsächlich ist, doch später, bei etwas mehr "Durchblick", stellt man fest, daß auch hier manches zu erreichen oder zu beschleunigen ist.