Die Bundesrepublik brauche einen Wettbewerb und Vergleich mit der DDR nicht zu scheuen, heißt es bei Diskussionen um die Deutschland- und Ostpolitik immer wieder. Der Vorsprung der Bundesrepublik auf wirtschaftlichemGebiet ist in der Tat offenkundig. Das gilt auch für die Entwicklungshilfe – einen Bereich, in demOstberlin allenfalls mit Einzelleistungen auf warten kann.

InChile hatder Wettbewerb zwischen der Bundesrepublik und der DDR schon begonnen. Doch Bonn kann vorerst gelassen bleiben. Denn wenn der DDR schon die mehrwöchigeReise einer 35köpfigen Delegation genügt, um am Ende des Besuchs den Chilenen sagen zu können, wie sie ihr Land am besten entwickelnsollen, kann solcher Übereifer Bonn nur nützen. Entwicklungsminister Eppler, erheitert und erleichtert ob solcher Schnellexpertise: "So schnell schießen selbst die Sachsen nicht."

Der Wettbewerb zwischen Bonn und Ostberlinetwa auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe birgt allerdings auch Gefahren – wie schon das Beispiel Chile zeigt. Wenn es ums Prestige geht, istdie Versuchung groß, aus lauter innerdeutschemWetteifer, so manches unausgereifte oder gar sinnlose Projekt in der Dritten Welt mit Ost-oder Westmark zu finanzieren. Wir sollten esdeshalb getrost der DDR allein überlassen, in der Dritten Welt derartige Entwicklungsruinen als Denkmal der deutschen Teilung zu errichten.