Mei, man braucht sich ja nur einmal im Laden umzusehen, und schon hat man fünf Mark ausgegeben." Diesen Stoßseufzer bekam jüngst eine Münchner Reporterin zu hören, als sie einer jungen Hausfrau einen Kommentar zum Thema Preise zu entlocken versuchte. In der Tat: um das Ansteigen der Preise festzustellen, reicht der Hausfrau die tägliche Erfahrung.

Wenn allerdings Politiker über Preise diskutieren und auf Abhilfe sinnen, dann genügt der Gang zum Kaufmann nicht. Um die Preisveränderungen genau zu übersehen, müssen die Statistiker helfen. Sie beobachten Monat für Monat ein kunstvolles Barometer, das allerdings in letzter Zeit kaum schönes Wetter anzeigte: den Preisindex für die Lebenshaltung.

Diese Zahl ist seit einiger Zeit zum Politikum geworden. Jeden Monat zittert die Bundesregierung vor der Veröffentlichung des Index. Denn seit er Preissteigerungen von mehr als vier Prozent im Jahr anzeigt, stehen die Zeichen auf Sturm. Der Preisindex ist zur magischen Zahl der deutschen Politik geworden.

Deshalb erntete Staatssekretär Philip Rosenthal auch einiges Mißtrauen, als er ankündigte, der Index müsse neu berechnet werden. Denn der Verdacht einer kleinen Schönheitsoperation liegt nahe. Doch selbst Stabilitätsfanatiker geben zu: In seiner aktuellen Form ist der Preisindex nur bedingt als Inflations- und Konjunkturbarometer zu gebrauchen.

Dabei geben sich die unbestechlichen Fachleute des Statistischen Bundesamtes seit Jahren alle Mühe, den Index so zuverlässig wie möglich zu machen. Natürlich ist es nicht möglich, die Preise aller Konsumgüter zu messen. Statt dessen wurde ein "typischer" Haushalt konstruiert, der mit seinen Ausgaben, einen bundesdeutschen Durchschnitt darstellt.

Diese repräsentative Kunstfamilie sieht so aus: Sie zählt 2,7 Personen und gibt im Monat etwa 740 Mark aus. Von diesem Betrag entfallen zum Beispiel 40 Prozent auf Lebensmittel, darunter 78 Pfennig auf Puddingpulver, weitere 30 Pfennig werden für Rollmops ausgegeben. Die Durchschnittsfamilie leistet sich jeden Monat für 5,90 Mark Zeitungen und Zeitschriften und geht für 1,86 Mark ins Kino. Nicht weniger als 12,74 Mark werden in Form von Zigaretten verqualmt.

Wenn Durchschnittsbürger Mayer mit Frau und 0,7 Kindern sein Haushaltsgeld ausgegeben hat, dann hat er dafür 879 verschiedene Waren und Dienstleistungen erstanden – nämlich seinen Warenkorb. Und, die Statistiker gehen davon aus, daß ihre Durchschnittsfamilie Mayer jeden Monat dieselben Käufe tätigt, denn sonst wäre kein zuverlässiger Preisvergleich möglich.