Nach ihrem 21. Berlingespräch am Montag äußerten sich die vier Botschafter der Großmächte übereinstimmend optimistisch. Der amerikanische Botschafter Rush erklärte, er sei durch das Treffen "ermutigt" worden: "Wir haben Fortschritte gemacht und werden unsere Verhandlungen am 25. Juni fortsetzen." Sein sowjetischer Kollege Abrassimow: "Wir sind einen Schritt vorangekommen."

Nach der Nato-Tagung in Lissabon, in der das Berlinproblem eine große Rolle gespielt hatte, war diese Sitzung mit einiger Spannung erwartet worden. Westdeutsche und französische Regierungskreise hatten durchblicken lassen, daß eine Berlinregelung trotz großer Differenzen noch vor Jahresende möglich erscheine. Das Treffen war diesmal besonders sorgfältig vorbereitet worden. Angeblich sprechen die Botschafter bereits über Texte, die aus dem amerikanischen und dem sowjetischen Papier erarbeitet worden sind.

In Bonn kündigt sich eine Berlindebatte zwischen Regierung und Opposition an. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Wehner hatte in einem Interview erklärt, es werde eine Berlinregelung geben, aber sie werde weder eine "Patentregelung noch eine Patentmedizin" sein.Wehner wandte sich dabei gegen eine Äußerung des Oppositionsführers Barzel, daß ihn auch eine Garantie der Zufahrtswege nach Berlin nicht befriedigen könnte.

Barzel sieht in diesen Äußerungen nicht nur eine "entscheidende Schwächung" der westlichen Verhandlungsposition. Nach seiner Auffassung hat Wehner auch die vereinbarte Vertraulichkeit in der Berlindiskussion durchbrochen. Die öffentliche Debatte sei damit eröffnet worden; sie müsse jetzt in den Bundestag gebracht werden.