Wäre die Robert Bosch GmbH, Stuttgart, eine Aktiengesellschaft, so hätte sie sich ihre Geschäftspolitik "an der einen oder anderen Stelle sicher sehr sorgfältig zu überlegen", räumte Hans L. Merkle ein. Bei der Vorlage des Jahresabschlusses für 1970 kommentiert der Vorsitzende der Geschäftsführung damit die Tatsache, daß der Reingewinn von unverändert 21,6 Millionen Mark in Relation zum ohnedies niedrigen Stammkapital von 300 Millionen Mark recht bescheiden ausgefallen ist. Das gleiche gilt für den Jahresüberschuß von 46,6 (nach 51,6) Millionen Mark einschließlich der Dotierung der Rücklagen. "Aber wir sind nun einmal keine AG."

Allein 250 Millionen, bald sogar 300 Millionen Mark werden jährlich für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Merkle: "In diesen Investitionen für die Zukunft liegt der größte Teil dessen, was man bei kurzfristiger Geschäftspolitik als Gewinn bezeichnen würde." Der betriebswirtschaftliche Ertrag, der nach der Bemerkung Merkles "leider nicht erheblich größer" als der ausgewiesene Gewinn sei, habe sich 1970 um 30 Prozent verringert und wird in diesem Jahr weiter schrumpfen – wenn auch nicht mehr annähernd so stark. Die Umsätze, die im vergangenen Jahr im Konzern um 17 (nach 26) Prozent auf 5,5 Milliarden Mark kletterten, werden 1971 nur leicht zunehmen. Für das erste Halbjahr wird das Plus mit zwei bis drei Prozent angegeben, wobei der Menge nach sogar weniger verkauft wurde. Neben der abgeschwächten Konjunktur wirkt sich hier vor allem der Abbau der überhöhten Lager bei den Abnehmern aus. Immerhin ist Bosch, soweit es den Umsatz betrifft, für das zweite Halbjahr bereits wieder zuversichtlicher.

Die ungeklärte Währungssituation bringt ein hohes Maß von Unsicherheit in die Planung. Dauert die Floatingperiode noch länger an, so befürchtet Merkle ein Abwandern von Auslandsaufträgen. "So oder so" werde die Wirtschaftspolitik negative Auswirkungen auf Ertrags- und Investitionsfähigkeit der Industrie haben. Bosch will 1971 mit 260 Millionen rund 100 Millionen Mark weniger als im Vorjahr investieren. Dies geht jedoch allein zu Lasten des Inlands und der Erweiterungsprojekte. Alle Expansionsabsichten will man mit besonderer Vorsicht prüfen,