Der Kompromiß hielt nicht lange: Die ersten Berliner Bulgarien-Touristen dieses Jahres mußten mit ihrem Coronado-Jet des amerikanischen Charterflugunternehmens "Modern Air" in Nürnberg zwischenlanden, bevor sie das Schwarze Meer ansteuern konnten. Das zweite Flugzeug dieser Gesellschaft kam überhaupt nicht mehr in Varna an.

Über Bulgarien erhielt der Pilot die Nachricht, daß sein Flugzeug keine Landegenehmigung erhalten würde. Die Maschine flog deshalb nach Frankfurt, wo die Urlauber mit dem Jet eines anderen Charterunternehmens an ihren Ferienort geflogen wurden.

Nach dem ersten Flug hatten sich die Bulgaren bereiterklärt, der Fluggesellschaft die Kosten für die "technische Landung" in Nürnberg zu ersetzen. Doch bei dem Flug zwei Wochen später untersagten die alliierten Kontrollbehörden die Scheinlandung in der fränkischen Metropole. Sie bestanden auf alten Vereinbarungen, nach denen der Flugverkehr von und nach Berlin ohne Zwischenlandungen in der Bundesrepublik durchgeführt werden kann.

Die Bulgaren mußten einsehen, daß sie zu hoch gereizt hatten: Die betroffenen Reiseveranstalter, die insgesamt sechzig Flüge durchführen wollten, meldeten nach dem letzten Zwischenfall die Flugketten an die bulgarische Schwarzmeerküste ab. Auch die nachträgliche Zusicherung aus Sofia, daß die Flüge nunmehr reibungslos stattfinden könnten, änderte an dem Entschluß vorerst nichts.

Urlaubern, die Bulgarien gebucht hatten, werden als Ausweichziel rumänische Strandbäder angeboten. Viele Berliner nahmen das Angebot an. Doch einige werden auf den Schwarzmeerurlaub in diesem Jahr ganz verzichten: Sie hatten sich mit ihren Verwandten aus der DDR in Bulgarien treffen wollen. Die DDR-Touristen jedoch können in diesem Jahr nicht mehr umbuchen. kde