Das zweitgrößte Energieversorgungsunternehmen der Bundesrepublik, die Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen AG, dessen Aktienkapital bis auf 22,1 Prozent im Besitz von Kommunen und der Energie-Verwaltungs-Gesellschaft ist, löst sich von der kostspieligen Rolle als größter Kohleverbraucher. Im vergangenen Geschäftsjahr, für das wieder sieben Mark Dividende je 50-Mark-Aktie gezahlt werden, wurde noch vorwiegend aus Kohle Strom gewonnen. Bis 1973 soll bereits zu 60 Prozent, ab 1974 über 70 Prozent Erdgas eingesetzt werden. Seit 1969 sind die Kohlepreise um 25 Prozent und die Preise für schweres Heizöl um 29 Prozent gestiegen.

Um die Kosten der Stromerzeugung zu senken, haben sich die VEW einen jährlichen Gasbezug von 4.1 Milliarden Kubikmeter gesichert. Die Stromerzeugung soll mit Gas billiger sein als bei vergleichbaren Kernkraftwerken. Um eine Preisangleichung an das auf Braunkohlebasis arbeitende Konkurrenzunternehmen RWE zu erreichen, wollen die VEW bis 1975 eine Kraftwerksleistung von 2000 MW auf Erdgasbasis errichten. Damit verbunden sind Investitionen von 2,8 Milliarden Mark, die ohne Schmälerung der kontinuierlichen Dividendenpolitik bewältigt werden sollen. 1,8 Milliarden will man aus Abschreibungen und Eigenmitteln finanzieren. Für den Rest sind Schuldverschreibungen, Anleihen und eine Kapitalerhöhung vorgesehen.

Der Jahresüberschuß, der von 91,7 auf 71,2 Millionen Mark zurückgegangen ist, soll wieder steigen, sobald die Umstellung von der teuren Kohle zum billigen Erdgas durchgeführt ist. Fraglich bleibt, ob die unter permanenter Finanznot leidenden Kommunen bei den kommenden Kapitalerhöhungen ihre Bezugsrechte verkaufen müssen. Möglicherweise könnte dies zu einem Druck auf den VEW-Börsenkurs führen. mh