Im Norden Jordaniens sind erneut Kämpfe zwischen dem Militär und Angehörigen der sieben großen Organisationen der palästinensischen Freischärler ausgebrochen. Nach vergeblichen Vermittlungsversuchen riefen die Freischärler am Wochenende zum Sturz König Husseins auf; nur so könne ein einseitiges Friedensabkommen zwischen Amman und Jerusalem verhindert werden. In ihrem Aufruf beschuldigen sie die jordanische Regierung Teil, zum letzten Schlag gegen die Palästinenser ausholen zu wollen.

Spekulationen über das israelisch-sowjetische Verhältnis wurden durch die Skandinavienreise von Ministerpräsidentin Golda Meïr genährt. Mitte vergangener Woche hieß es in Schweden, sie habe sich am Pfingstsonntag in Nordfinnland mit sowjetischen Politikern getroffen. Golda Meïr war zuvor von der Tagung der Sozialistischen Internationale in Helsinki zu einem Privatbesuch nach Stockholm gekommen, aber schon zwei Tage später – angeblich zu einer Ruhepause – 200 Kilometer nach Rovaniemi im finnischen Lappland geflogen.

In einem ersten Kommentar bezeichnete sie das Gerücht als "unwahr", zwei Tage später lediglich als "ungenau". Nur einen Tag vor dem Abstecher hatte der Generalsekretär der israelischen Vereinigten Arbeiterpartei, Eliav, in Stockholm erklärt, Jerusalem sei an der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit Moskau interessiert.

Am Sonntag jährte sich zum viertenmal der Jahrestag des Junikrieges von 1967. Nach israelischer Auffassung zeigt Kairo noch immer keinen echten Friedenswillen; statt dessen habe Ägypten das ägyptische Verteidigungsbudget um 650 Millionen Pfund erhöht. Präsident Nixon hat in seiner ersten offiziellen Stellungnahme zum sowjetisch-ägyptischen Vertrag die Sowjetunion gewarnt, neue Waffen an Ägypten zu liefern. Zugleich äußerte er den Wunsch, "normale Beziehungen" zu allen Ländern im Nahen-Osten, auch zu Ägypten, aufzunehmen.

Dagegen hob der SPD-Bundesgeschäftsführer Wischnewski den Wunsch Kairos nach einem gerechten Frieden hervor. Wischnewski war überraschend nach Ägypten gereist und mit Staatspräsident Sadat zusammengetroffen. Bei dem Gespräch ging es auch um das Verhältnis Bonn–Kairo. Das Verständnis für die Nahost-Politik Bonns sei gewachsen; bei einer Fortsetzung des Dialogs – so Wischnewski – sehe er durchaus die Möglichkeit, die 1965 abgebrochenen Beziehungen wieder zu normalisieren.