Dortmund

Nun urbst mal schön", empfahl Wuppertals Generalanzeiger, als sich der Vorhang zu "Urbs 71" hob. Das 700 000-Mark-Festival in der Stadt mit der Schwebebahn ist eine "kulturelle Initiative" der Städte Bochum, Dortmund, Köln, Krefeld, Oberhausen und Wuppertal mit dem Ziel, progressive Kunst eine Woche lang in konzentrierter Form anzubieten. Motto: Urbs – für jeden etwas. Nicht Kulturschau will die Sechs-Städte-Veranstaltung sein, sondern es sollen Anregungen zum Mitmachen und Mitdenken gegeben werden.

Mit Bier vom Faß und Beat vom Tonband wurde der Startschuß zu einem Unternehmen gegeben, das manch einem, der in herkömmlichen Kunstklischees denkt, nicht ganz geheuer zu sein scheint.

Wuppertals Arbeitgeber gingen schon vor der Premiere auf die Barrikaden, weil "Urbs" nach ihrer Meinung ausgesprochen unternehmerfeindliche Züge trägt und viele Veranstaltungen zum Thema "Arbeit und Gesellschaft" sich mit kämpferischen Parolen an Lehrlinge, weibliche Arbeitskräfte und ausländische Arbeitnehmer wenden.

Ins gleiche Horn stoßen auch einige Kommunalpolitiker, die gar eine "Rufschädigung" für die Stadt befürchten, weil beispielsweise Filmbeiträge, die Oberhausen dem "Urbs"-Projekt beisteuerte, ein starkes Links-Engagement verraten. Die bei der Deutschen Akademie für Film und Fernsehen in Auftrag gegebenen Streifen "Die Frau am Arbeitsplatz", "Die Lehrlinge", "Erziehung", "Mieten und Wohnen" hätten, so erläuterte der geistige Motor von "Urbs", der Wuppertaler Kulturdezernent Dr. Dr. Klaus Revermann, bei der Vorbesichtigung, "einen sehr pointierten Standort verraten", nämlich einen marxistisch-leninistischen. Sie seien deshalb "in hohem Maße diskussionsbedürftig".

Anlaß zu Diskussionen bieten auch Polit-Popmusik, Kabaretts, Straßentheater und der Test von neuen Großstadtliedern. "Floh de Cologne" und die "Machtwächter" sind zur Agitation herbeigeeilt. Ebenfalls aus Köln kommt eine Gruppe Werkstudenten, die einen Abenteuerspielplatz für Kinder einrichtete, auf dem neue Spiele kreiert werden.

Kreationen von gestern und vorgestern wurden hingegen bei einem Wettangeln aus der Wupper gezogen. Am Beispiel verrosteter Fahrräder und verbogener Regenschirme erfolgte ein Gedankenaustauch zum Thema Umweltverschmutzung.