Von Heidi Dürr

Wo ein Boom ist, da sind die Spekulanten nicht weit. Ihre jüngste Spur führt zu einer Ware besonderer Art: zur Kunst. Kein Wunder, denn zahlreiche Kunstwerke haben in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren eine Hausse erlebt, wie sie bei kaum einer anderen Geldanlage registriert wurde.

Zwanzig Millionen Mark für ein Bild von Velasquez, siebenstellige Summen für impressionistische Gemälde und sechsstellige Beträge für graphische Blätter zum Beispiel von Picasso sind ein Vielfaches dessen, was noch vor einem oder zwei Jahrzehnten für die gleichen oder ähnlichen Werke bezahlt wurde.

Einige clevere Geschäftsleute in den USA und in Europa beschlossen deshalb, in das große Geschäft einzusteigen, um sich und andere an dem Boom teilhaben zu lassen. Sie gründeten Investment-Gesellschaften für Kunst, kurz Kunstfonds genannt.

Diese Fonds bieten ihren Kunden die "todsichere Anlage". In ihren Prospekten bilden sie imposante Preissteigerungskurven ab und nennen eindrucksvolle Beispiele für Preismultiplikationen. Verschwiegen wird selbstverständlich, daß es auch umgekehrte Entwicklungen gibt. Erinnert sei nur an Van Dyck, der Anfang dieses Jahrhunderts der teuerste Maler der Welt war und dessen Preise seitdem rapide gesunken sind, oder an französische Künstler wie Buffet, die in den fünfziger Jahren hoch bezahlt wurden und heute kaum noch auf dem Markt unterzubringen sind. Ein solcher Preisverfall kann auf dem international verflochtenen Kunstmarkt so schnell gehen, daß ein Fonds seine Objekte nicht einmal mehr zu Einkaufspreisen absetzen kann.

Freilich – wer Kunstfonds-Anteile kauft, muß wissen, daß er sich auf eine Spekulation einläßt, und alle Spekulationen bieten nun einmal große Chancen, aber auch große Risiken. In diesem Fall sind es die Risiken einer Ware und eines Marktes, der – anders als bei Aktien – vor allem von so subjektiven Faktoren wie Geschmack, Mode und Lebensstil beeinflußt wird.

Fonds-Aktionäre müssen jedoch auch noch weitere Nachteile in Kauf nehmen. Sie müssen auf regelmäßige Ausschüttungen verzichten, und bei manchen Fonds können sie ihre Anteile nicht einmal jederzeit einlösen. Ein weiterer kritischer Punkt sind die Kunstexperten, die als Einkaufsberater und Bewerter des Fondsvermögens fungieren. Einige Fonds weigern sich, ihre Namen zu nennen – mit dem Hinweis, daß sonst günstige Einkaufsquellen verstopft würden. Das allerdings kann Interessenten ebensowenig nützen wie der Hinweis auf die Zusammenarbeit mit international renommierten Galerien.