Neu in Museen und Galerien:

Dortmund Bis zum 27. Juni, Museum am Ostwall: "100 Jahre Kunst in Ungarn"

Warum man die Ausstellung, wie ihr Initiator Eugen Thiemann meint, in Verbindung oder sogar als Auswirkung der neuen deutschen Ostpolitik sehen solle, ist ziemlich unverständlich. In den benachbarten Museen von Bochum und Essen wird seit vielen Jahren Kunst der Ostblockländer präsentiert. Wenn man schon auf Prioritäten Wert legt, dann sind die künstlerischen Kontakte den politischen erfreulicherweise vorausgegangen. Die Nationalgalerie in Budapest hat die Ausstellung für Dortmund, für die Bundesrepublik arrangiert, eine offizielle, eine enorm friedliche und harmlose Darbietung, Niemand würde vermuten, daß die Arbeiten aus einem Land mit einem andern, mit einem sozialistischen Gesellschaftssystem kommen. Einen sozialistischen Realismus hat es nach 1945 nie gegeben, er ist eine Erfindung der westlichen Propaganda; die Budapester Nationalgalerie demonstriert, daß die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in der ungarischen Kunst keine Spuren hinterlassen haben, daß sich die Ungarn immer noch und ausschließlich am Westen orientieren, daß sie Picasso und Marini, aber auch Informel und Surrealismus kennen und diese Ingredienzien mit ein bißchen Folklore und Pußtaromantik aufbereiten. Viel interessanter sind die seltenen Beispiele engagierter Kunst, etwa die Arbeiten des Bildhauers Imre Varga. Sein Denkmal für den Dichter Radnoti, der 1944 als Antifaschist erschossen wurde, beweist geistige und formale Unabhängigkeit, die stilisierte Bronzefigur wird mit realen Pflastersteinen und Balkenholz kombiniert. Noch problematischer und noch viel dürftiger als die Kunst von heute wird die Kunst der zwanziger Jahre dargeboten. Von den großen ungarischen Konstruktivisten ist nur Lajos Kassak mit drei kleinen Blättern vertreten, die beinah unauffindbar im Treppenhaus hängen. Der mit Abstand schönste und eindrucksvollste Teil der Ausstellung ist die ungarische Malerei des 19. Jahrhunderts. Künstler wie Pal Merse und Mihaly Munkacsy zeigen mit ihren Landschaften und Gartenbildern, wie der Impressionismus von Paris bis nach Ungarn ausstrahlt und die Künstler zu erstaunlich selbständigen Leistungen inspiriert. Gottfried Sello

Die wichtigsten deutschen Ausstellungen:

Berlin Bis zum 19. Juli, Nationalgalerie: "Mark Rothko"

Die Retrospektive dokumentiert Rothkos historische Position, seine unbestrittene Bedeutung für den Beginn einer originären amerikanischen Malerei, und die Schwierigkeit, sein Werk aus dem nebulösen Mystizismus herauszulösen, den seine Anhänger darum verbreitet haben.