Die Besucher der Bayreuther Festspiele werden in diesem Jahr Gelegenheit finden, in ihren Mußestunden vor den Aufführungen eine neue Attraktion der Wagner-Metropole kennenzulernen: eine exklusive Juwelenausstellung, die sechs deutsche Star-Juweliere gemeinsam veranstalten.

Mit ihrer Preziosenschau wollen die Firmen H. J. Wilm (Hamburg), René Kern (Düsseldorf), E. Bräckerbohm (Köln), Schilling (Stuttgart), Carl Ernst (Wiesbaden) und Robert Koch (Frankfurt, Baden-Baden) dem internationalen Geldadel das Niveau ihrer Kunst demonstrieren. Aus ihrer traditionellen Reserve wurden die Meisterjuweliere durch die Erfahrung gelockt, daß immer mehr betuchte Bundesbürger ihren Schmuck von Auslandsreisen mitbringen und sich kostspielige Anlagestücke sogar an der Haustür von ausgedienten Investmenthändlern verkaufen lassen. Vor allem jüngere Interessenten, so fanden die sechs heraus, suchen sich ihre ersten Juwelen immer seltener bei anerkannten deutschen Juwelieren aus. René Kern: "Wir sind gekränkt und traurig."

Als Hauptumschlagplatz für Schmuck gilt – wohl in erster Linie wegen ihres guten Rufs in finanziellen Angelegenheiten – die Schweiz. Dabei lassen sich viele Deutsche in ihrem Vertrauen zusätzlich durch eindrucksvolle Zertifikate bestätigen, die vielfach nicht halten, was sie versprechen. "Wenn das so weitergeht, glauben die Leute bald, daß die Brillanten im Berner Oberland gewonnen werden", kommentiert René Kern die Kaufwut vieler Urlauber, denen das Geld in Davos und Luzern lockerer sitzt als zu Haus.

Fernreisende decken sich häufig auch in Indien, Hongkong und in der Türkei mit scheinbar preiswerten Steinen ein und erfahren erst bei fachmännischer Schätzung daheim, daß sie wertloser Ware aufgesessen sind. Dabei ist es äußerst schwierig, beispielsweise synthetische Steine zu entlarven, weil ihre Produzenten ihnen durch Ablagern in fließenden Gewässern oft einen Schliff verleihen, der echten Steinen zum Verwechseln ähnlich ist. Auch auf Zertifikate ist im internationalen Juwelengeschäft nicht immer Verlaß. In Antwerpen, dem kontinentaleuropäischen Handelsplatz für Diamanten, werden sie unter der Hand sogar separat angeboten.

Die Juweliere müssen jedoch nicht nur findige Juwelenhändler in den Urlaubsparadiesen des Jet-Set fürchten. In- und ausländische Anlagefirmen bieten inflationsverängstigten Wohlstandsbürgern in großer Zahl auch unverarbeitete Diamanten mit Zertifikaten so renommierter Stellen wie des Instituts für Edelsteinforschung in Idar-Oberstein an. Daneben haben sich auch die Warenhäuser in den letzten Jahren in großem Stil des Geschäftes mit hochwertigen Schmuck angenommen. Sogar in einschlägigen Informationsbriefen für Unternehmer tauchten in letzter Zeit Hinweise auf günstige Juwelen-Bezugsquellen auf. Die Schuld an dem Verlust kaufkräftiger Kunden suchen die sechs Kooperateure nicht zuletzt bei sich selbst. René Kern: "Wir haben unser Licht zu lange unter den Scheffel gestellt."

Damit soll es nun allerdings sein Ende haben. Nach der ersten gemeinsamen Ausstellung in Bayreuth, wollen die Juweliere auch bei den Salzburger Festwochen in Zukunft regelmäßig ihre Spitzenarbeiten zeigen. Inserate und Plakate werden das millionenschwere Publikum auf die Werbe-Show, bei der jeder der Beteiligten seine eigene Vitrine dekorieren wird, aufmerksam machen. Obwohl der Verkauf an Ort und Stelle nicht forciert werden soll, werden Festivalgäste aus aller Welt durchaus eine Diamantbrosche oder ein Brillantkollier aus den Meisterwerkstätten eines der deutschen Starjuweliere mit nach Hause bringen dürfen.

Die sechs Firmen, die zusammen knapp 30 Millionen Mark umsetzen, wollen aber nicht nur durch Ausstellungen Schmuckkäufer zurückgewinnen. Schon in Kürze werden, sie gemeinsam einen Informationsdienst herausgeben, aus dem sich Kunden informieren können, was sich gerade zum Kauf empfiehlt oder bei welchen Angeboten Vorsicht geboten ist. Renatus Wilm: "Man könnte zum Beispiel jetzt dem Kunden mitteilen, daß Burma-Safire immer knapper werden und daher mit Preissteigerungen zu rechnen ist."