Zusammengestellt von Erhard Kortmann

Mein Name ist Dürer, ich weiß von nichts

Von Wolfram Siebeck

In der Senke am Waldrand war das Gras von vielen Pfoten niedergetreten. Einzeln und in Gruppen hoppelten die Hasen zu ihrem traditionellen Pfingstreffen herbei. Groß war die Wiedersehensfreude, wenn Verwandte sich umarmten, Bekannte sich die Pfoten schüttelten. Jagderlebnisse wurden ausgetauscht, Schrotkugeln vorgezeigt und die Qualität des diesjährigen Kohls diskutiert.

Hans-Heinz Löffel, der Sprecher der Hasenschaften, sprang auf einen Maulwurfhaufen und legte die Ohren trichterförmig um die Schnauze. "Hasen und Häsinnen!" rief er, trotz seiner Hasenscharte für jeden verständlich, und wartete, bis auch das letzte Karottenknabbern aufhörte.

"Hasen und Häsinnen", begann er dann seine mit Spannung erwartete Rede, "unser diesjähriges Pfingsttreffen wird vielleicht einmal in die Hasengeschichte eingehen als der Beginn eines neuen Abschnittes, als die Stunde des Aufbruchs! Unsere jahrelange Arbeit, jahrelanges Männchenmachen und jahrelanges Hakenschlagen haben ihre Früchte getragen. Der Hase ist zum Maß aller Dinge geworden: Wohin man auch blickt, das Bild des Hasen beherrscht Stadt und Land! Jede Zeitung, in die Salatreste eingewickelt sind, zeigt ihn; jedes Magazin, das von Campern vergessen wird, bildet ihn ab! Eine unsägliche Genugtuung erfüllt uns in dieser Stunde, da die geschichtliche Wahrheit so deutlich sichtbar wird: Der Hase ist der Hase. Es gibt keinen Hasen außer ihm!"