Die Bereitschaft des Westens zur Entspannungspolitik ist vom Nato-Ministerrat zum Abschluß seiner Sitzung in Lissabon und vom amerikanischen Präsidenten Nixon noch einmal unterstrichen worden.

Das von Moskau in den letzten Wochen mehrfach wiederholte Angebot, in Gespräche über eine Reduzierung der Truppen in Europa einzutreten und mit den Vorbereitungen einer Sicherheitskonferenz zu beginnen, stand neben dem Berlinproblem im Mittelpunkt der Beratungen des Nato-Ministerrats, zu denen die Außenminister der Atlantischen Verteidigungsgemeinschaft nach Portugal gekommen waren.

In den nächsten Wochen wollen die Nato-Staaten die sowjetische Bereitschaft für einen Truppenabbau in Europa weiter überprüfen. Zu diesem Zweck sollen die einzelnen Staaten des Bündnisses selbständig bei den Staaten des Warschauer Paktes sondieren; zum anderen will die Nato in absehbarer Zeit einen oder mehrere Politiker ernennen, die mit der Sowjetunion oder anderen interessierten Staaten Kontakte aufnehmen sollen. Als möglicher Vertreter der Nato wird Generalsekretär Brosio genannt, der am 1. Oktober vom bisherigen niederländischen Außenminister Luns in seinem Amt abgelöst wird.

In der Frage einer europäischen Sicherheitskonferenz bekräftigten die Minister ihre bisher vertretene Auffassung, daß eine befriedigende Berlinregelung der Prüfstein für die Aussichten einer solchen Konferenz sei.

In dem abschließenden Kommuniqué schließen sich die Nato-Minister der optimistischen Beurteilung der Berlinverhandlungen an, wie sie zuvor vom französischen Außenminister Schumann vertreten worden war. Das Kommunique spricht die Hoffnung aus, daß es bis zum Jahresende zu einer befriedigenden Berlinregelung kommen und daß dann mit den Vorbereitungen für eine europäische Sicherheitskonferenz begonnen werden könne.

Der stellvertretende sowjetische Außenminister und frühere Botschafter Moskaus in Bonn, Zarapkin, hat in Kopenhagen in einem Gespräch mit dem dänischen Außenminister Häftling im Gegensatz zum Nato-Ministerrat einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen einer Sicherheitskonferenz und der Frage der Truppenverminderungen hergestellt. Zarapkin hat nach Angaben eines dänischen Regierungssprechers die Sicherheitskonferenz als Voraussetzung von Gesprächen über die Truppenreduzierung bezeichnet. Eine solche Konferenz sei für diese Gespräche der geeigneteste Ort. Auf der Sicherheitskonferenz könnte nach Ansicht Zarapkins ein Unterausschuß gebildet werden, der sich mit den Problemen einer Truppenreduzierung befassen soll.

Der dänische Außenminister hat zwar sein Interesse an der baldigen Einberufung einer Sicherheitskonferenz betont, aber hinzugefügt, daß nach Ansicht der dänischen Regierung zunächst eine Berlinregelung gefunden werden müsse. Zarapkin vertrat dagegen die bekannte sowjetische Auffassung, daß die Sicherheitsfrage und die Berlinfrage auf "parallelen Wegen" gelöst werden, müßten.