Am Werktor von Rüsselsheim rechnete ich ungläubig nach: Von der Autobahneinfahrt Hamburg aus hatte ich – Tank- und Essenspause abgerechnet –, viereinhalb Stunden gebraucht. Und ich hatte das Gefühl, gemütlich gefahren zu sein. Keine Hetze, keine Ermüdung – ich fühlte mich rundherum wohl.

Manta – als der Wagen auf den Markt kam, mußte die Presseabteilung der Opel-Werke Nachhilfeunterricht in Biologie erteilen: ein Riesenrochen, "ein friedfertiger Fisch, der kraftvoll durch das Wasser gleitet". Nun gleitet er durch den Verkehrsfluß, und der Fahrer hat den Eindruck, daß er es fast von allein tut, leicht und elegant. Nur schade, daß die Techniker ihm nicht auch jene Fähigkeit der Rochen verleihen konnten, im kühnen Luftsprung über die Wellen – hier Verkehrsstauungen – hinwegzugleiten.

Offenbar gelten Mendels Erblehre-Gesetze auch für Autos. Ein Blick auf die Heckpartie des Manta zeigt es. Da gab es 1967 auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt zwischen den biederen Opel-Limousinen einen besonderen Blickfang: Schräg gestellt, auf rundem Podest, ein Traumauto, ein zweisitziger Sportwagen mit fließenden Linien und modischen "Schlafaugen". Verträumt standen junge Autofans davor.

"Ein Experimentalauto", sagten die Opel-Verantwortlichen. Zwei Jahre später war das Experiment auf der Straße: Der Opel GT. Die Rüsselsheimer signalisieren damit eine neue Firmenstrategie. Obwohl Fritz von Opel selbst ein avantgardistischer Autofahrer war und schon 1928 auf der Berliner Avus mit einem Raketenauto fuhr, hatten die Opel-Werke – die 1928 von der Familie Opel an General Motors übergingen – eigentlich immer den Ruf, hausbackene Familienautos zu bauen. Der GT war das Symbol einer Umkehr. Das "Hosenträger-Image" sollte einem sportlichen Image weichen. Rallye-Kadett und GS-Versionen von Rekord und Commodore gaben auch den Großserienautos eine sportliche Variante.

Für das Sportmodell fand ein cleverer Werbemann den Slogan: "Nur fliegen ist schöner!" Aber fliegen will nun mal nicht jeder, und so wuchs aus der GT-Idee die Manta-Formel, eine Sportlimousine für vier bis fünf Personen mit mehr Gepäck als einer Aktentasche. Ein Bastard also?

Nun, Kreuzungen können die Vorteile zweier Rassen kombinieren, und die Autozüchter von Rüsselsheim waren in dieser Hinsicht recht erfolgreich. Der Limousinenkomfort blieb erhalten, die sportliche Note ist – wenn man die bisher stärkste Version wählt – gegeben, und das neu konstruierte Fahrwerk verleiht dem Wagen ein gutmütiges Fahrverhalten, das auch einen weniger geübten Fahrer kaum in schwierig zu meisternde Situationen bringt.

Kurzum, das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" brachte es auf die treffende Formel, der Manta sei ein Auto für Leute, die eigentlich zwei Autos haben möchten, sich aber nur eins leisten können. Und das zum Preis eines Großserienautos der Mittelklasse. Anvisiert war eine Tagesproduktion von 500 Stück; gebaut werden heute 600 Mantas pro Tag.