Der weltweite Aufwärtstrend an den internationalen Börsenplätzen ist im Laufe des Mai zum Stillstand gekommen. Der Dow-Jones-Index, der zu Beginn des Jahres auf 907 stand und im April mit 958 den Jahreshöchststand erreicht hatte, ist wieder auf 930 zurückgefallen. Freilich ist die Aussagekraft dieses Index nur begrenzt: Der Dow-Jones basiert auf den Aktienkursen 30 renommierter US-Gesellschaften. In unserer Tabelle werden Bethlehem Steel, Du Pont, General Electric, General Foods, General Motors, Standard Oil New Jersey und Texaco aus dem Dow Jones berücksichtigt; die Kurse dieser Aktien liegen alle unter dem Jahreshöchststand.

Diese Kursentwicklung, die repräsentativ für alle amerikanischen Börsen ist, wird auf das Ende der Zinssenkungen zurückgeführt. Offenbar haben viele Anleger Gewinne realisiert. Vorläufig zumindest ist die Hoffnung auf einen Durchbruch der Tausender-Marke beim Dow-Jones nicht berechtigt.

Kursrückgänge kennzeichnen auch die Lage an der Londoner Börse. Noch hat die konservative Regierung das Vertrauen der privaten Anleger nicht zurückgewinnen können. Die Freigabe der Wechselkurse der D-Mark und des holländischen Gulden blieben ohne den erwünschten Effekt für den britischen Außenhandel. Zudem wirkte sich die Gefahr eines Streiks in der Stahlindustrie ungünstig auf die Kurse aus.

Autoaktien machen in Frankreich eine Ausnahme von der allgemeinen Tendenz. Die Absatzzahlen der Automobilindustrie liegen weit besser als im Vorjahr. Davon konnte auch Peugeot profitieren, obwohl dort der Umsatz nur um sechs Prozent stieg, während Citroën 16 Prozent melden kann. Printemps-Aktien werden zur Zeit von der Spekulation auf die Bildung eines "europäischen Kaufhaus-Konzerns" begünstigt.

Die Kursentwicklung in der Schweiz war im Mai von der Aufwertung des Franken beeinflußt worden. Mit am stärksten betroffen waren Brown Boveri, die mit 1370 den Jahrestiefstkurs erreichten, Bei Ciba/Geigy muß im neuen Kurs die Kapitalerhöhung im Verhältnis 8:1 berücksichtigt werden.

In Amsterdam spricht man von einer Konsolidierungs-Phase. Die Freigabe des Wechselkurses des Gulden blieb überraschenderweise ohne größere Auswirkungen auf die Kurse. Den Jahreshöchststand erreichte Unilever.

Auch die Brüsseler Börse blieb vom Abwärtstrend nicht verschont. Eine Ausnahme macht Petrofina: Erdölfunde in der Nordsee haben den Kurs nach oben gebracht und verbesserten den Höchstkurs der letzten zehn Jahre deutlich um 460 Punkte.

Negative Geschäftsberichte haben in Japan den Glauben an eine weitergehende Konjunkturbesserung vorläufig geschwächt. Allerdings glauben einige Experten, daß es in Tokio wieder bald aufwärts geht. kde