Bulle (germ.), der, geschlechtsreifes männliches Rind; bullen, das Brünstigsein der Rinder. (Großer Brockhaus Band 2, Seite 429, Ausgabe 1953)

Franz Roth, Fußballspieler, München, FC Bayern, ist mit einem Begriff aus der Zoologie belegt worden, weil einige Berichterstatter der Aufgabe nicht mehr gewachsen waren, die ans Animalische grenzende Kraft des Fußballspielers. richtig zu beschreiben.

Man kann behaupten, daß kein Münchner Bulle, seit dort Viehzucht betrieben wird, eine auch nur annähernd gleiche Berühmtheit erlangte.

Freilich darf nicht ungesagt bleiben, daß der Mensch Franz Roth keinerlei Anteil daran hat; es ist sogar nicht auszuschließen, daß es ihm peinlich ist, ein dermaßen verpflichtendes Prädikat mit sich herumzutragen.

Sicherlich ist es eine Geschmacksfrage, wie man so etwas empfindet. Eine Kuh wird mit dem Begriff etwas gänzlich anderes verbinden als beispielsweise ein Ochse.

Was die Sportberichterstattung angeht, so werden ihr durch den Gebrauch von Begriffen aus der Fauna ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Wie plastisch ist doch eine solche Formulierung: "Da hat sich Terrier Kurrat aber die Schnauze verbrannt."

Wenn dann eines Tages Ente Lippens gerupft und Bulle Roth geschlachtet werden, dann ist es nicht mehr weit, bis der Vereinsdoktor Veterinär sein muß, der Trainer Stallknecht und die Spiele im Schlachthof stattfinden.

Horst Vetten