Die Geschichte der Stuarts sollte dargestellt werden, auch – wie es im Klappentext heißt – "das Psychogramm dieser Menschen, die Geschichte der Konflikte zwischen Neigung und politischer Forderung, die Geschichte der Leidenschaften, der Irrtümer, der Auflehnung, des Leichtsinns, der Vergeblichkeiten und auch der Verbrechen" –

Hermann Schreiber: "Die Stuarts– Genie und Unstern einer königlichen Familie"; R. Piper & Co.Verlag, München; 349 S., 25,– DM.

Denn auch die Stuarts, meint der Autor (und sagt damit gewiß nichts Neues), "haben Anspruch auf Verständnis, Toleranz, ja vielleicht sogar auf Sympathie". Doch was er zeigt, ist wenig und scheint manchmal nur auf Hörensagen gegründet, zum Beispiel, wo es darum geht, uns – so sagt er – "den wahren Jakob erkennen" zu lassen, den Sohn Maria Stuarts.

Er stellt ihn dar als "Geisterseher", als Förderer von Hexenprozessen und meint: "Man schreibt Jakob auch besonders raffinierte Torturen zu und behauptet, er habe zum Beispiel seine Henkersknechte das Ausreißen der Fingernägel mit Schmiedzangen üben lassen, damit es bei den peinlichen Befragungen dann funktionierte." Eine Seite weiter heißt es allerdings: "Beifällig stellten die Londoner fest, daß dieser undurchsichtige Mann ... doch kein Hexenjäger, Folterer, Teufelsaustreiber ... war." Aber wer sind "die Londoner", wer ist "man"? Zu vieles bleibt hier ungenau, unbelegt und folglich (weil Quellen und Literatur nicht angeführt werden) unnachprüfbar.

Manches fällt gar vollends unter den Tisch. So Jakobs umfangreiche Schrift gegen das Rauchen und seine ganze Anti-Raucher-Kampagne, die trotz ihrer Vergeblichkeit immerhin ein Politikum war. Dafür ist um so mehr von seinen angeblichen homosexuellen Neigungen die Rede, wobei der Leser – ganz en passant und wieder ohne Beleg – erfährt, daß der Stuart-König damit in einer ganzen Reihe "bemerkenswerter Homoerotiker" gestanden habe, deren "vornehmste Erscheinung" Prinz Eugen von Savoyen gewesen sei (was keinesfalls als ausgemacht gilt, da die Feststellung lediglich – was jedoch verschwiegen wird – auf eine Bemerkung Liselottens von der Pfalz zurückgeht).

Nein, dies zum Beispiel ist nicht der wahre Jakob. Gerhard Prause