Lauter Superlative im Vorpann: der dritte der filmenden Schamoni-Brüder bekam für sein Spielfilmdebüt "Ein großer grau-blauer Vogel" gleich den Bundesfilmpreis; an der Kamera standen die bewährten Dieter Lohmann und Bernd Fiedler, das Buch schrieben neben Thomas Schamoni die erfahrenen Max Zihlmann und Uwe Brandner und Hans Noever. Und die Musik ist wie bei "Deadlock" oder "Deep End" von The Can. Sieben Namen als Vorschußlorbeeren.

Von dem Landstreicher Belotti, der auf mysteriöse Weise umkommt, hat der Dichter Tom-X die Strophe eines Gedichts erfahren ("Bottom" von Rimbaud), in dem Belotti angeblich zusammen mit vier weiteren Wissenschaftlern diejenige Formel, welche die Weltherrschaft bedeute, verschlüsselt habe. Dieser Formel und ihren Schöpfern jagen mehrere rivalisierende Gruppen nach.

Eine Vielzahl von Handlungs-, Spiel- und ealitätsebenen überlagert sich in diesem Film, jede ist in sich gebrochen und in ihrer Chronologie zersplittert, jede wird gegen die andere ausgespielt: eine virtuose Phantasmagorie, deren Faszination darin liegt, daß man immer neuen Fäden, Kombinationsofferten und Motivknäueln nachspürt und doch immer neuen Rätseln und Verschachtelungen gegenübersteht.

Schon zu welchen Gruppen die Akteure gehören, ist schwer auszumachen: zum Kreis der etwas romantischen, verspielten, abenteuerlustigen jungen Leute um Tom-X (Laiendarsteller), zu den Kino-Klischee-Typen der routinierten Agenten oder den geheimnisvollen Drahtziehern im Hintergrund (professionelle Schauspieler), zum rüden Killer-Fußvolk, zu den wendigen Fernsehleuten oder den schillernden Einzelgängern. Man kennt sie alle – wenn nicht aus diesem, dann aus einem anderen Film.

Denn it’s movie-time, thriller-time – "Die Bäume hängen mal wieder voller Gangster", stellt in Ascona einer aus Toms Clan fest und hat sogar Recht damit. Es ist ein Abenteuer-, Kriminal-, Liebes-, Underground-, Spionage-, Science-Fiction- und ein Märchenfilm und zugleich einer über die meisten dieser Genres, eine absurde Paraphrase über das Kino und seine oft stereotypen, oft ziemlich blöden Lieblingsmotive.

Eine Reflexion über den Film und seine Möglichkeiten und Üblichkeiten: Film im Film, in Farbe und Schwarz-Weiß, mit gestochenem Jet-Set-Schick vom Stativ und Grobkörnig-Verwackeltem von der Handkamera, perfekten action-Sequenzen und verwirrend schönen Bildern.

Gleich zu Beginn muß Tom-X mit seiner Gruppe fliehen, ein Kameramann ist dabei, mit der laufenden Arri oder Bolex auf der Schulter; später sieht man die Flucht, wie diese Kamera sie filmte. Das Film-im-Film-Motiv nimmt gigantische Ausmaße an: Immer wieder sichten die einzelnen Gruppen Filmmaterial, manchmal laufen sechs Projektoren zur gleichen Zeit, und man hört und sieht das, was die Teams gedreht haben, sieht sie arbeiten und hört, wie sie sich beim Drehen Kommandos zurufen, man sieht und hört zugleich die Zusehenden vor den Monitoren, wie sie diese Filme kommentieren oder sich in ihnen entdecken ... Eine ganze Busladung von Schmalfilmern schwärmt aus, und am Ende filmt jeder jeden, hält die Kamera, als sei sie ein Revolver.