Von Rudolf Walter Leonhardt

Ein paar Fußballspieler, Leute, bei denen es auf Laufpensum und Schußvermögen offenbar mehr ankommt als auf moralische Integrität, haben Geld dafür bekommen, daß sie so spielten, wie der Geldgeber es wünschte (siehe dazu Jürgen Werners Artikel auf Seite 56). Was ist daran in einer kapitalistischen Gesellschaft, in der jeder sieht, wie er zu seinem Geld kommt, so verwerflich, daß es den Aufschrei der Empörung erklären kann, der quer durch die Nation geht?

Die Antwort "Sport interessiert mich nicht, und Fußball ist ohnehin korrupt" sagt mehr über den Antwortenden aus als über das Phänomen. Denn Sport interessiert nun einmal eine Hälfte der Menschheit, der kapitalistischen wie der sozialistischen, die sich auch von Sportmuffeln nicht ganz ignorieren läßt; und es gibt nichts im Fußball, das für Korruption besonders anfällig machte. Im Gegenteil: Der Fußball verdankt einen großen Teil seiner Popularität der Tatsache, daß die Regeln des Spiels (anders als etwa bei Hockey) einleuchtend und einfach sind und daß alles, was während des Spiels geschieht (anders als beim Schach), von ein paar hunderttausend Zuschauern aus unmittelbarer Nähe und von ein paar Millionen an den Fernsehschirmen beobachtet werden kann – und beobachtet wird.

Der Altbundestrainer Herberger und der Alt-Olympiapräsident Brundage sagen, die Korruption habe damit angefangen, daß Sportler, zum Beispiel Fußballspieler, für ihre Leistung bezahlt werden.

Wir haben es oft gehört: Geld stinkt – stiller Vorbehalt: nur das nicht, was wir selber verdienen. Wird Erziehung korrumpiert dadurch, daß Lehrer bezahlt werden? Sind Journalisten deswegen korrupt oder leichter korrumpierbar, weil sie ein Gehalt beziehen oder ein Zeilenhonorar? Was spricht dagegen, in einer leistungsorientierten Gesellschaft auch die sportliche Leistung zu honorieren?

Es scheint denn zu billig, immer alles aufs Geld zu schieben – das jeder (auch in sozialistischen Ländern) gern hätte.

Wohl ließen sich viele Argumente dafür finden, daß gerade das Amateurstatut einlädt zur Korruption. Erfahrungen im Tennis wie bei Skirennen haben gezeigt, wie schwer es ist, zwischen "Aufwandsentschädigungen" und unerlaubtem "Einkommen" zu trennen; oder wie leicht einer "Amateur" sein kann, wenn die Armee oder eine Universität für seinen Lebensunterhalt und seine künftigen Chancen in einem Beruf sorgt. So etwa stellt sich die Situation den Betroffenen dar – DFB-Funktionären, Vereinsbevollmächtigten und Spielern. Was soll all die Aufregung, ein paar fragwürdige Charaktere und dann und wann ein bißchen Korruption gibt es in jedem Beruf? Und bis hierhin haben die "Abwieglet" ganz recht.