Gegen den Vorwurf, die Preise für Mineralölprodukte stärker erhöht zu haben, als es nach den Abkommen mit den Rohölländern in Teheran und Tripolis notwendig gewesen wäre, wehrte sich der Vorstandsvorsitzende der Gelsenberg AG, Walter Cipa. Vor den Abkommen hätten alle Mineralölgesellschaften tief in den roten Zahlen gesteckt. Nach den Preiserhöhungen für Benzin, leichtes und schweres Heizöl sei Gelsenberg wieder in den schwarzen Zahlen, wenn auch keine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals und nichts für neue Investitionen verdient werde.

Alle anderen Sparten – neben Mineralöl Stromerzeugung, Chemie und Handel – haben 1970 trotz des Kostendrucks Gewinne gebracht, auch wenn innerhalb des Handels der Einzelhandel noch nicht rentabel sei. Cipa bezeichnete es als einen ausgesprochenen Erfolg, daß unter diesen Umständen wieder die Dividende von acht Prozent auf das Kapital von 485 Millionen ausgeschüttet werden kann. Die Ausschüttung sei nur durch außergewöhnliche Umsatzsteigerung um 18,3 Prozent auf 3,5 Milliarden Mark (einschließlich rund 500 Millionen Mark Mineralölsteuer) und Rationälisierungserfolge möglich gewesen. Nach der Konsolidierung der 50prozentigen Beteiligungen an der Raffinerie Neustadt und der SB-Einzelhandelskette setzte Gelsenberg 1970 bereits wieder. soviel um wie vor der Ausgliederung des Bergbaus.

Eine Voraussage über die Gewinnentwicklung bezeichnete Walter Cipa als besonders schwierig. Hoffnung auf ein gleichbleibend gutes Ergebnis besteht nur, wenn die ständig steigenden Kosten an die Abnehmer weitergegeben werden können. Eine ausreichende Kosten/Erlös-Relation sei um so notwendiger, als Gelsenberg bis 1974 rund eine Milliarde Mark investieren muß. 1970 wurden dafür 284 Millionen Mark aufgewendet, allein 256 Millionen wurden in Sachanlagen verbaut.

mh