Aus der Rede Leonid Breschnjews auf einer Wählerversammlung im Moskauer Baumann-Bezirk:

"Zweifellos wächst die Bedeutung der sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen über die Einschränkung strategischer Rüstungen, deren positiver Ausgang unserer Meinung nach den Interessen der Völker beider Länder und der Aufgabe entsprechen würde, den Weltfrieden zu festigen.

Ich hatte schon Gelegenheit, darüber zu sprechen, daß für den Erfolg dieser Verhandlungen die strikte Einhaltung des Prinzips der gleichen Sicherheit beider Länder, der Verzicht auf Versuche, diese oder jene einseitigen Vorteile auf Kosten der anderen Seite zu erhalten, bestimmend ist. Man möchte daher hoffen, daß auch die Regierung der Vereinigten Staaten eine konstruktive Position einnehmen wird...

Es ist an der Zeit, davon abzugehen, bei der Einschätzung der eigenen Handlungen und der Handlungen der anderen Seite zweierlei Maß, zweierlei Standard zu verwenden.

Und das bezieht sich nicht nur auf Raketen. Die Propagandamaschine der USA hat eine ganze Kampagne über die sowjetische Kriegsflotte gestartet. Sehen Sie, in Washington sieht man eine Gefahr darin, daß unsere Schiffe im Mittelmeer, im Indischen Ozean und auf anderen Meeren erscheinen. Dabei halten es die amerikanischen Politiker für normal und natürlich, daß sich ihre 6. Flotte ständig im Mittelmeer – in allernächster Nähe der Sowjetunion – und ihre 7. Fotte vor den Küsten Chinas und Indochinas aufhalten.

Wir haben es niemals als ideale Situation angesehen und finden es auch heute nicht ideal, wenn die Kriegsflotten der Großmächte lange Zeit weit entfernt von ihren Küsten kreuzen. Und wir sind bereit, dieses Problem zu lösen, aber auf gleichberechtigter Grundlage...

Sie wissen, daß unter unseren Vorschlägen auch ein Vorschlag über die Reduzierung der Streitkräfte und der Rüstungen in Europa ist. Das ist eine große und selbständige Frage, und wir sowie unsere Verbündeten haben mehr entsprechende Überlegungen dazu geäußert. Praktische Ergebnisse bei ihrer Verwirklichung wären von großer Bedeutung für die Entspannung und einen dauerhaften Frieden auf dem europäischen Kontinent. Mit Genugtuung kann darauf verwiesen werden, daß der Standpunkt der Sowjetunion in dieser Frage in den meisten Ländern des Westens mit bestimmtem Interesse aufgenommen wurde; Auch die kürzliche Nato-Tagung in Lissabon mußte sich mit diesen Fragen befassen. Eine eindeutige Antwort haben wir aber vorläufig nicht erhalten. Man stellt uns weiterhin die Frage: Betrifft unser Vorschlag nur die fremden Streitkräfte oder bezieht er sich auch auf die nationalen Streitkräfte? Wir würden darauf folgendermaßen antworten: Wir sind bereit, beides zu erörtern. Unsererseits bekräftigen wir ein übriges Mal, daß wir bereit sind, diesem ganzen wichtigen Fragenkomplex die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Naturgemäß werden wir in engem Kontakt mit unseren Verbündeten vorgehen..."