Es war Mitte Mai, daß im normannischen Dörfchen Sallen (330 Einwohner) ein außergewöhnlicher und schrecklicher Unfall passierte: Bei einem Hochzeitsmahle brach der Fußboden des Gemeindesaales ein, der sich über einem Brunnen befand. Dreizehn Hochzeitsgäste stürzten hinab und ertranken. Und dann, zwei Wochen später, hat die Hochzeit von Sallen ein vierzehntes Opfer verlangt. Der Bürgermeister schoß sich eine Kugel in die Stirn. Die Kirche gab dem Selbstmörder ein christliches Begräbnis.

Man weiß, wie die Hauptperson nen des Dramas sich geäußert haben.

Der Bürgermeister, vierundfünfzig Jahre alt, Vater dreier Kinder,Besitzer eines – schönen normannischen Hofes, Ortsvorsteher im Ehrenamt seit achtzehn Jahren, sagte; angesichts der dreizehn Toten, die im Schulzimmer aufgebahrt waren: "Ich habe den Saal zur Verfügung gestellt, um den Nachbarn einen Gefallen zu tun. Ich hätte nicht so gehandelt, wenn ich die geringste Gefahr geahnt hätte. Ich werde mir immer Vorwürfe machen, immer, mein Leben lang."

Die Frau des Bürgermeisters: "Er. konnte nicht mehr schlafen, obwohl, ihm niemand Vorwürfe machte. Sie trösteten ihn sogar, die Leute von Sailen und auch die von Cormolain. Er schlief nur, wenn er unter der Einwirkung stärker Mittel war, und das nur kurze Zeit. Der Arzt hatte mich gelehrt, ihm untertags Beruhigungsspritzen zu setzen. Ich ging mit der Spritze die Treppe zumSchlafzimmer hinauf: da knallte der Schuß."

Das Hochzeitspaar, das zur Nachbargemeinde Cormolain gehört, einem Dorf, dessen Saal allerdings für baufällig gehalten wurde, so daß der Vater der Braut gesagt hatte, man werde einfach den Bürgermeister von Sallen um die Gefälligkeit bitten: "Der Vorsteher hat sich das Leben genommen; das ist seine Sache. Wir haben genug an unserem Packen zu tragen. Dreizehn Tote: ein schönes Ergebnis unserer Hochzeit. Der Selbstmord des Bürgermeisters von Sallen, den wir nicht einmal kannten, ändert daran nichts."

Der Pfarrer, der sein Amt zugleich in mehreren Gemeinden ausübt und der die Messe in Cormolain unterbrach, als die Nachricht vom Tode des Bürgermeisters kam: "Er war ein gläubiger Christ. Er trug schweren der Frage, wieweit er verantwortlich war. Wirklich, er war ein erledigter Mann. Man hörte ihn mehrfach sagen: ‚Ich erwarte meinen Spruch.’ Aber das hatte wohl nichts damit zu tun, daß er suspendiert worden war, eine Formsache, eine Verwaltungsmaßnahme. Er war ja noch im Gemeinderat. Er wäre gewiß wieder Bürgermeister geworden, wenn er gewollt hätte. Jetzt wurde er das vierzehnte Opfer des Hochzeitsfestes."

Der Bischof von Bayeux, der ein deutliches und in der ganzen christlichen Welt beachtenswertes Zeichen dafür setzte, daß, wenn der Selbstmord auch nach wie vor nicht gebilligt wird, doch der Selbstmörder nicht mehr außerhalb der Friedhofsmauern verscharrt werden soll: "Angesichts des neuen Dramas von Sallen kann die Kirche nur eine einzige Haltung einnehmen: Wir wollen beten. Wir wollen alle bitten, den Schmerz der Trauernden von Sallen zu teilen. Ich wünsche, daß alle Christen der Diözese sich am Tage des christlichen Begräbnisses des Bürgermeisters im Gebet mit den Pfarrkindern von Sallen vereinigen."