Die schlimmste Gefahr im indisch-ostpakistanischen Grenzgebiet, die Cholera, scheint für den Augenblick gebannt. Durch Massenimpfungen – auch gegen Typhus –, verbesserte sanitäre Einrichtungen. Auflösung der unkontrolliert errichteten Notunterkünfte (wie hier in der Nähe von Kalkutta) und Evakuierung der am dichtesten belegten Flüchtlingslager hofft die indische Regierung, eine Ausbreitung der Seuche unterbinden zu können. Eine "Hilfe" bietet der Monsumregen: Die Zahl der Flüchtlinge aus Ostpakistan ist wegen der schlechten Wegverhältnisse bis auf etwa 35 000 pro Tag gesunken. Nach indischen Angaben sind bis jetzt 5,76 Millionen Ostbengali gezählt worden; Neu-Delhi rechnet mit insgesamt acht Millionen.

Obwohl die internationalen Spenden in den letzten Tagen schnell und reibungslos verteilt wurden, bleiben die Versorgungsschwierigkeiten unverändert groß. Indien versucht auf diplomatischen Wegen, Pakistan zur Rücknahme aller Flüchtlinge zu zwingen. In Westbengalen, das die Hauptlast tragen muß. kam es schon zu schweren Auseinandersetzungen zwischen arbeitslosen Indern und arbeitsuchenden Ostpakistani. Neu-Delhi bezeichnete die Situation zu Wochenbeginn als "unvermindert ernst und gefährlich".