Kaum haben die Mannesmannröhren-Werke AG ein Dri-.tel des spektakulären Handels deutsche Röhren gegen russisches Erdgas abgewickelt, da winkt das zweite Tauschgeschäft mit den Russen. Die Essener Ruhrgas AG. die im vergangenen Jahr den Kauf von jährlich drei Milliarden Kubikmeter Erdgas ab 1973 mit der Sowjetunion vereinbarte, will weitere vier Milliarden Kubikmeter abnehmen. Außerdem erwarb sie eine Option auf eine weitere Milliarde Kubikmeter.

Als Bezahlung werden die Mannesmannröhren-Werke wieder Großrohre in die Sowjetunion liefern. Die erste Tranche umfaßte Röhrenlieferungen von 1,35 Millionen Tonnen, womit allerdings nicht der volle Gegenwert der russischen Erdgaslieferungen erreicht wurde. So kaufte Mannesmann in den USA Caterpillar-Maschinen zum Verlegen der Rohre im Gegenwert von knapp 150 Millionen Mark, die über Finnland an die Sowjetunion geliefert wurden.

Wie bedeutend die Röhrenlieferungen im Rahmen des neuen Abkommens sein werden, steht noch nicht fest. Es scheint auch noch nicht sicher, daß die sowjetischen Partner als Gegenleistung ausschließlich Röhren fordern.

Ebenfalls noch nicht endgültig ausgehandelt sind die Konditionen für den Kredit, der die Zeit zwischen den Röhrenlieferungen und der Abnahme von russischem Erdgas überbrücken soll. Die Kreditvereinbarungen hatten sich beim ersten Abkommen als der schwierigste Verhandlungspunkt erwiesen, weil die Russen nicht bereit waren, den damals üblichen Zins von neun Prozent zu zahlen. Mit der Deutschen Bank, die auch diesmal mit von der Partie ist, einigte man sich auf einen Satz von 6,25 Prozent.

Die Zahl von vier Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr ist eindrucksvoll. Wenn 1980 die sowjetischen Lieferungen ihren vollen Umfang erreichen, werden das aber nur knapp sieben Prozent des vorausgeschätzten Bedarfs der Bundesrepublik sein. Diese Menge Erdgas reicht gerade für ein Kraftwerk von 1600 Megawatt. Das entspricht etwa vier Fünfteln der Neu- und Erweiterungsbauten der deutschen Elektrizitätswirtschaft im vergangenen Jahr. mh