Heinz Barth, der in der Welt seit Jahren ein Amerika-Bild zeichnet, das wie eine Werbefibel für law and order aussieht, war jetzt gerührter Zeuge der Hochzeit von Nixons Tochter im Weißen Haus. Er beobachtete da, wie dem Präsidenten Wind und Regen gehorchten: "Der Regen stoppte, als der Hochzeitszug das Haus verließ und tapfer zum Rosengarten strömte." Klar, daß so etwas einen entscheidungsfreudigen Präsidenten voraussetzt: "Es war eine der typischen Nixon-Entscheidungen am Rande der Katastrophe." Danach wird der Präsident zu Gottvater: "Dann ließ er den Elementen und dem Willen der Braut seinen Lauf."

Dergleichen Schmonzetten könnte man auf sich beruhen lassen. Auch daß Barth offensichtlich im Minirock ein Werk des Satans und der Linken oder beider zusammen sieht, mag man ihm und seinen Lesern überlassen. Der Midi jedenfalls wird ihm zur konservativen Abwehrwaffe: "Viele ausgezeichnet sitzende Kleider, an denen man entdeckte, daß der ‚Midi‘, zumindest bei einem solchen Anlaß, noch eine Funktion besitzt."

Dann aber kommen Sätze, die einem den Atem verschlagen: "Und ein Brautkleid von einer Eleganz, die sogar Ulrike Meinhoff und Angela Davis etwas gesagt hätte, wären sie geladen gewesen."

Warum Angela Davis nicht pflichtschuldigst herbeieilen konnte, um ebenso dümmlich wie Herr Barth mit Tränen in den Augen auf ein Brautkleid zu starren, das zu verschweigen, dazu gehört schon ein Zynismus, der mit der Kitschschilderung der Hochzeit auf das gemeinste korrespondiert. Und auf das "wären sie geladen gewesen" läßt Barth den noch schöneren Satz folgen: "Natürlich waren sie es nicht. Denn dies war eine durch und durch konservative Hochzeit." Dieser Spott über Angela Davis, die von einem durch und durch konservativen Land zuerst mit fadenscheinigen Argumenten zum Staatsfeind Nummer eins erklärt wurde und die jetzt im Gefängnis sitzt, was Herrn Barth nur deshalb Grund zum Bedauern gibt, da sie auf diese Weise nicht ehrfürchtig mit auf ein weißes Kleid starren kann, dieser Spott ist ein Gipfel an Unmenschlichkeit und ungefähr das Schlimmste, was an journalistischen Entgleisungen möglich ist.

Das möchte Heinz Barth so passen, daß da den Gefangenen und Unterdrückten, den Verfolgten und sozial Benachteiligten ein Brautkleid der Präsidententochter vor die Nase gehalten wird, auf daß sie einsehen, warum sie im Gefängnis sitzen. Unter anderem, um die grausigen Visionen eines Hofberichterstatters zu bestätigen, für den die Ordnung da ist, auch damit die Röcke und Haare die richtige Länge haben. Und wer sich nicht daran hält, der wird nicht geladen zur Hochzeit. Soll er doch sehen, wie er zum Anblick von Brautkleidern kommt, wenn er im Gefängnis sitzt. Hallmuth Karasek